Infolge des Iran-Kriegs sind die Spritpreise an deutschen Tankstellen weiter gestiegen. Der ADAC-Online-Preisvergleich war zeitweise überlastet. Die Politik diskutiert über preisdämpfende Maßnahmen.
Der Iran-Krieg lässt die Preise für Sprit und Heizöl weiter steigen. Am Morgen setzte sich der Anstieg der vergangenen Tage fort, wie Daten des ADAC und von Heizoel24 zeigen. Voraussichtlich würden Benzin und Diesel im Tagesverlauf noch einmal um einige Cent im Vergleich zum Montag steigen, sagte ein ADAC-Sprecher. Das ließen zumindest die ersten Werte vom Morgen erahnen.
Schon am Montag war der Spritpreis kräftig angestiegen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt war Super E10 mit 1,839 Euro pro Liter um 6,1 Cent teurer als am Freitag, dem letzten Tag vor der Eskalation im Nahen Osten. Das war der höchste Wert seit Mai 2024. Diesel verteuerte sich sogar um sieben Cent auf 1,816 Euro, den höchsten Wert seit Oktober 2023.
Diesel reagiert sensibler
„Diesel reagiert erfahrungsgemäß sensibler auf äußere Faktoren wie Krisen oder Kriege. Die Preisausschläge – sei es nach oben oder unten – sind daher meist stärker“, erklärte der Kraftstoffmarkt-Experte des ADAC, Christian Laberer. Der aktuelle Anstieg der Spritpreise ist zwar deutlich, in der jüngeren Vergangenheit aber nicht ohne Vergleich.
Zu Beginn des Ukraine-Krieges vor vier Jahren hatte sich Diesel etwa binnen gut zwei Wochen um mehr als 60 Cent pro Liter verteuert. E10 stieg damals um rund 50 Cent. Auch bei den Angriffen der USA und Israels auf den Iran im Juni vergangenen Jahres hatte sich Sprit deutlich verteuert, Diesel stieg damals um rund zehn Cent.
Auch wer zum Ende der Heizsaison seinen Öltank füllen muss, hat aktuell ein Problem. Die Seite Heizoel24 gab den Preis für 100 Liter am Morgen mit knapp 123 Euro an. Das waren noch einmal gut vier Euro mehr als am Montag. Noch am Freitag hatte der Preis unter 100 Euro gelegen.
Spritpreisvergleich überlastet
Hintergrund des weiteren Anstiegs an den Tankstellen und beim Heizöl dürfte der Ölpreis sein, der durch die Sperrung der Straße von Hormus weiter zulegte. Er ist – in Kombination mit dem Dollarkurs – typischerweise der wichtigste Treiber für Veränderungen bei Sprit und Heizöl.
Wer beim Tanken sparen will, sollte die morgendliche Preisspitze meiden und die Preise verschiedener Tankstellen vergleichen, rät der ADAC. Gerade in Krisenzeiten mit viel Bewegung gebe es auch große Unterschiede. Diesen Rat befolgen offenbar viele Menschen. Am Sonntag und Montag war es noch zu kürzeren Aussetzern beim Spritpreisvergleich des Verkehrsclubs gekommen. Inzwischen habe man aber die Serverkapazitäten angepasst.
„Versorgungsengpässe sind nicht zu befürchten, weder bei Benzin und Diesel, noch bei Heizöl oder Flugkraftstoff“, heißt es vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Ein Grund dafür ist, dass Deutschland Rohöl aus rund 30 Ländern beziehe. „Hauptlieferländer sind Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien.“ Der Verband hatte außerdem erklärt, dass die geopolitische Lage zu einem weltweiten Anstieg der Preise für Mineralölprodukte geführt habe.
CDU schließt preisdämpfende Maßnahmen nicht aus
Der SPD-Fraktionsvize Esra Limbacher kritisierte die Preiserhöhungen jedoch als verfrüht: Das Benzin und der Diesel, die aktuell verkauft werden, wurden überwiegend zu deutlich niedrigeren Rohölpreisen eingekauft“, sagte er der Rheinischen Post.
Die Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner forderte bereits eine Übergewinnsteuer. „Während Familien jeden Euro umdrehen, dürfen Konzerne keine Krisenrenditen einfahren“, kritisierte sie. „Die Übergewinne müssen konsequent abgeschöpft und direkt eingesetzt werden, um die Preise an der Zapfsäule und beim Heizen spürbar zu senken.“
Die schwarz-rote Koalition behält indes Maßnahmen zur Preisdämpfung vor. „Ich will da nichts ausschließen“, sagte Unions-Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU). Man werde die Lage beobachten und dann mit dem Koalitionspartner SPD weiter beraten. Infolge des Ukraine-Krieges hatte die damalige Ampel-Regierung die Autofahrer im Jahr 2022 mit einer Spritpreisbremse entlastet und die Energiesteuer befristet gesenkt.
Source: tagesschau.de