Sportwagenhersteller in welcher Krise: Oliver Blumes ungeordnete Porsche-Einlieferung

Nach den Vorstellungen Oliver Blumes hätte es eigentlich viel schneller gehen sollen: Bis Weihnachten wollte der Porsche -Chef die zweite Sparrunde des Jahres mit dem Betriebsrat ausgehandelt haben, um die Leitung des Sportwagenherstellers zum Jahreswechsel geordnet in die Hände seines Nachfolgers Michael Leiters zu geben. Doch die eigentlichen Verhandlungen haben bislang nicht begonnen. Man befinde sich noch immer in der Sondierungsphase, wie aus Unternehmen und Betriebsrat unisono zu vernehmen ist.

Klar ist allerdings, dass die Unruhe aufseiten der Arbeitnehmervertreter zuletzt immer größer geworden ist, seit Finanzchef Jochen Breckner auf der Bilanzpressekonferenz im Frühjahr ein weiteres Effizienzpaket verkündet und Blume im Juli in einem Brandbrief an die Belegschaft mit einer „Krise der Rahmenbedingungen“ gehadert hatte, die Porsche „härter als viele andere Autohersteller“ träfe. Die Quittung präsentierte das Unternehmen im September: Porsche senkte seine Renditeziele, richtete die Produktstrategie wegen der schwachen Verkäufe elektrischer Sportwagen neu aus und kündigte an, die Gespräche über die Kostensenkungen zu beschleunigen.

Vorstellungen liegen noch weit auseinander

Über die Analyse und den beiderseitigen Austausch der Standpunkte sind Vorstand und Betriebsrat zuletzt aber nicht hinausgekommen, was allerdings auch daran lag, dass der im Sommer neu gewählte Betriebsrat erst in einen Arbeitsmodus finden musste. Doch wie weit die Vorstellungen noch auseinanderliegen, zeigt der Vorstoß des Betriebsrats, der in dieser Woche Forderungen öffentlich gemacht hat, die das Management an die Belegschaft gestellt habe. Auf der Liste, die die Arbeitnehmervertreter im Intranet des Herstellers veröffentlichten, stehen Punkte wie der Wegfall von Jubiläums- und Einmalzahlungen, die Kürzung der Altersvorsorge sowie ein Stellenabbau und die Verlagerung der Entwicklung und weiterer Dienstleistungen in Niedriglohnländer. Zudem verlange der Vorstand Anpassungen bei Homeoffice-Regeln und flexiblere Arbeitszeiten.

Der Betriebsrat kommentiert den Forderungskatalog nicht und bestätigt lediglich die „Gespräche über ein Zukunftspaket“, um Porsche und Belegschaft gut für die Zukunft aufzustellen. „Aktuell befinden wir uns in der Informationsphase, erst danach werden wir in Verhandlungen eintreten“, sagte der neue Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Ibrahim Aslan. „Unser Standpunkt ist klar: Wir brauchen eine Beschäftigungssicherung bis mindestens 2035 und erwarten ein klares Bekenntnis des Vorstands zu den deutschen Porsche-Standorten.“ Kommende Woche will der Betriebsrat die Belegschaft über den Stand der Gespräche informieren. Für Dienstag ist eine Betriebsversammlung im Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen, für Mittwoch eine im Entwicklungszentrum Weissach angesetzt. Das Unternehmen äußert sich weder zu den im Intranet veröffentlichten Forderungen noch zu den Sondierungsgesprächen. Ein Sprecher verweist auf „immense Herausforderungen“, vor denen die Autoindustrie steht, und die Wettbewerbsfähigkeit, die über die Zukunft von Porsche entscheide. „Dafür müssen wir in allen Bereichen anpacken. Angesichts der veränderten Rahmenbedingungen sind erhebliche Kostenoptimierungen zwingend erforderlich“, erläutert der Sprecher. „Darüber sprechen wir mit der Arbeitnehmerseite im Rahmen eines zweiten Zukunftspakets – weiterhin vertraulich und auf Augenhöhe.“

Verhandlungen bis ins kommende Jahr

Hört man sich im Unternehmen um, ist klar, dass es ungemütlich wird. Ein größerer Abbau von Stellen steht dabei allerdings nicht im Raum, auch wenn die Zahl der Jobs durch Vereinbarungen zur Altersteilzeit und durch Aufhebungsverträge sowie das Nicht-Wiederbesetzen von Stellen weiter sinken könnte. Eine Verlagerung von Teilen der Entwicklung in Niedriglohnländer ist wohl nicht geplant. Sowohl Vorstand als auch Arbeitnehmer stellen sich darauf ein, dass sich die Verhandlungen über das zweite Sparpaket bis in den Januar oder Februar des nächsten Jahres ziehen könnten. „Qualität geht vor Schnelligkeit“, sagte Porsche-Chef im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Vor gut zehn Monaten hatte Porsche in einer ersten Sparrunde bereits „umfangreiche Maßnahmen zur Stärkung der Ertragskraft“ beschlossen und angekündigt, bis 2029 rund 15 Prozent der Arbeitsplätze in Zuffenhausen und Weissach abzubauen. Insgesamt sind das 3900 Stellen. Der Prozess hat bereits 2024 mit dem Auslauf von 1500 befristeten Verträgen begonnen, in diesem Jahr verließen weitere 500 befristet beschäftigte Mitarbeiter das Unternehmen. Aktuell beschäftigt Porsche an den Standorten 23.000 Menschen. Eine Standortsicherung schließt bis 2030 betriebsbedingte Kündigungen aus. Zudem hatte Porsche Sonderboni gedeckelt und die Möglichkeit gestrichen, bei der „T-Zug“ genannten Sonderzulage statt zusätzlichen Urlaubstagen auch einen bestimmten Geldbetrag zu wählen.

Die neuen Maßnahmen, über die nun verhandelt werden soll, könnten weitere Sonderleistungen, zu denen sich Porsche verpflichtet hat, kippen. Wie sehr das Unternehmen sparen muss, zeigen die Zahlen nach dem dritten Quartal. Der operative Gewinn zwischen Januar und September lag bei einem Umsatz von 26,86 Milliarden Euro nur noch bei 40 Millionen Euro – nach 4,04 Milliarden Euro im Vorjahr. Gründe dafür waren neben den Zöllen auf US-Importe vor allem die ersten Kosten für die angekündigte Neuausrichtung der Produktstrategie. Der Planwechsel geht quer durch das Angebot. Eine bisher vollelektrisch geplante neue SUV-Baureihe oberhalb des Modells Cayenne wird – anders als zunächst geplant – bei Markteinführung zunächst ausschließlich als Verbrenner und Plug-in-Hybrid angeboten. Zudem will Porsche aktuelle Modelle wie den Panamera und den Cayenne mit Verbrennungsmotor und Plug-in-Hybrid „bis weit in die 2030er Jahre“ anbieten. Die neue Planung zieht für Porsche im laufenden Jahr eine Belastung von bis zu 1,8 Milliarden Euro nach sich. Statt einer Umsatzrendite von fünf bis sieben Prozent peilt Porsche jetzt nur noch zwei Prozent an. Das Ziel Oliver Blumes, seinem Nachfolger ein geordnetes Unternehmen zu übergeben, wird der Porsche-Chef aller Voraussicht nach verfehlen.

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