Speicherchips zu Gunsten von KI: Dresdner Halbleiterunternehmen FMC sammelt 100 Millionen Euro ein

Das Halbleiterunternehmen FMC aus Dresden hat in einer Finanzierungsrunde mit Investoren unter Führung des Münchner Risikokapitalgebers HV Capital und des mit öffentlichen Mitteln ausgestatteten Deep Tech & Climate Fonds (DTCF) 77 Millionen Euro Eigenkapital eingesammelt und weitere 23 Millionen Euro Fördermittel eingeworben. Es ist nach Einschätzung von Marktbeobachtern eine der größten Finanzierungen für ein privat gehaltenes Unternehmen im europäischen Halbleitersektor. Zur Bewertung macht FMC keine Angaben. Mit den frischen Mitteln will die 2016 gegründete Unternehmen seine Technologie für Speicherchips in Zusammenarbeit mit Auftragsfertigern in den nächsten zwei bis drei Jahren zur Marktreife bringen und das Unternehmen in die Gewinnzone führen. „Die Technologieentwicklung haben wir gemacht, das Design ist fertig, jetzt wird das Produkt in den Fabrikationsanlagen hochgefahren“, sagt Thomas Rückes, der Vorstandsvorsitzende von FMC. Auf die Frage nach einem Börsengang als möglichem nächsten Finanzierungsschritt hält er sich bedeckt. „Der nächste Schritt ist, die Produkte auf den Markt zu bringen“, sagt Rückes.

Im Sommer hatte FMC mit Plänen für eine milliardenschwere Halbleiterfabrik in Magdeburg für Schlagzeilen gesorgt. Die jüngste Finanzierungsrunde sei unabhängig von diesen Plänen und allein gestützt auf die Aussichten von FMC als Speicherchip-Unternehmen ohne eigene Fertigung zustande gekommen, betont Rückes. „Kein Risikokapitalgeber hätte mir heute so eine große Runde gegeben nur in der Hoffnung, dass wir in der Zukunft eine eigene Fabrik bauen“, sagt der FMC-Chef. Einen konkreten Zeitplan für das Vorhaben in Magdeburg, wo FMC Interesse an einem Teil der Flächen bekundet hat, die ursprünglich für eine Chipfabrik von Intel vorgesehen waren, gibt es nicht. „Wir sind im Austausch mit vielen Parteien. Es geht voran, aber es ist hochkomplex“, sagt Rückes.

Vor fünf Jahren hatte FMC in der bisher letzten Finanzierungsrunde 20 Millionen Dollar eingeworben. Damals beteiligten sich neben den neuen Risikokapitalgebern M Ventures und Imec.xpand auch Altinvestoren wie SK Hynix, Robert Bosch Venture Capital und TEL Venture Capital. Jetzt steigt neben HV Capital und dem DTCF auch Vsquared Ventures neu ein. Von den Bestandsinvestoren ziehen unter anderem eCapital, Air Liquide Venture Capital und Verve Ventures mit. Insgesamt hat FMC seit der Gründung rund 125 Millionen Euro eingesammelt.

Neuer Standard für Energieeffizienz

Die neu eingeworbenen Mittel fließen in die Qualifikation und die Markteinführung der Speicherchips von FMC. Sie sollen neue Standards für Energieeffizienz in der Branche setzen. Das macht die Technologie unter anderem für Betreiber von Rechenzentren interessant. „Produkte für Rechenzentren sind einer der wichtigsten Märkte für die Halbleiterindustrie und natürlich ist auch unsere Produkt-Roadmap mit den Bedarfen dieser Industrie koordiniert“, sagt Rückes. FMC-Produktchef Ayman Abouelwafa, der im Sommer zum Unternehmen gestoßen ist, war zuvor fast 30 Jahre bei Hewlett Packard Enterprise beschäftigt, einem der größten Anbieter von Technologie für Rechenzentren.

Parallel zur Markteinführung des Produkts will Rückes die Organisation für rasantes Wachstum in den nächsten Jahren vorbereiten. Die Zahl der Beschäftigten soll sich von derzeit 45 etwa verdoppeln. Neben dem Team am Firmensitz in Dresden wird auch ein Designzentrum in Mailand und ein bestehender Standort in Frankreich ausgebaut. Hinzu kommen neue Niederlassungen unter anderem in Nordamerika und Asien, um näher an Kunden und Partner zu rücken.

Die Kooperation mit internationalen Partnern ist auch deshalb erforderlich, weil Europa kaum noch über eigene Produktionskapazitäten für Speicherchips verfügt. „Es gibt keine DRAM-Fabs in Europa mehr, das ist ein großes Problem. Deswegen arbeiten wir mit Firmen weltweit zusammen“, sagt Rückes. Der Markt ist stark konsolidiert. Südkorea, die USA und Taiwan dominieren. Weltweit gibt es nur noch sieben Anbieter, die Speicherchips herstellen. „Wir arbeiten mit zwei von ihnen zusammen, keiner von ihnen ist in Deutschland oder in Europa“, sagt Rückes. FMC habe den Anspruch, die strategische Lücke bei dieser Schlüsseltechnologie in Europa zu schließen.

Technologie führt Entwicklung von Qimonda fort

FMC knüpft dabei an Entwicklungsarbeit des ehemaligen deutschen Speicherchipherstellers Qimonda an, der an seinem Standort in Dresden bis zur Insolvenz Anfang 2009 an ferroelektrischen Speicherchips aus Hafniumoxid arbeitete, die sich Daten auch ohne elektrischen Impuls dauerhaft merken können. Das Namlab der TU Dresden, das die Universität 2006 als Joint Venture mit Qimonda gegründet hatte, führte die Entwicklungsarbeiten weiter und schuf die Grundlagen für die 2016 erfolgte Ausgründung der Ferroelectric Memory Compnay (FMC).

Zwei der drei Gründer sind weiterhin operativ in das Unternehmen eingebunden. Marko Noack ist im Chipdesign und Menno Mennenga im Marketing tätig. Mitgründer Stefan Müller, der in den ersten drei Jahren an der Unternehmensspitze stand und unter anderem eCapital sowie den High Tech Gründerfonds als Investoren an Bord holte, beschäftigt sich bei der von ihm gegründeten Innoferro weiterhin mit ferroelektrischen Materialien.

Der Vorstandsvorsitzende Thomas Rückes stieß Anfang 2024 zu FMC und steht seit knapp einem Jahr an der Unternehmensspitze. Zuvor hatte er mit der von ihm gegründeten Nantero in den USA eine Halbleiterspeichertechnik entwickelt, bei der Nanoröhren aus Kohlenstoff zum Speichern von Daten verwendet werden.

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