Nachdem die Kirchen den absehbaren Reformdruck über Jahre von sich gewiesen haben, werden sie nun von ihrer eigenen Finanzkrise überrollt. Noch vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass eine Kirchenleitung Kürzungen in einem Arbeitsfeld ankündigt, ohne den betroffenen Beschäftigten zugleich eine Perspektive anzubieten, und sei es bloß ein Sozialplan.
Nun lässt sogar die vergleichsweise reiche evangelische Landeskirche in Bayern Mitarbeiter im Regen stehen. Die Landeskirche plant zudem, in ihrem Medienbereich die Trennung zwischen ihrer eigenen Öffentlichkeitsarbeit und der kirchenfinanzierten Publizistik noch weiter aufzuweichen, auf deren Unabhängigkeit man lange Wert legte.
Angesichts des immensen Spardrucks sind zwar auch in diesem Bereich Kürzungen unausweichlich. Aber ob die geplante Bevorzugung der eigenen Öffentlichkeitsarbeit der Königsweg ist, darf man angesichts der kirchlichen PR-Desaster in den vergangenen Jahren in Zweifel ziehen.
Die Kürzungspläne wurden auch nicht zuvor innerhalb der EKD abgestimmt. Das entspricht dem Gesamtbild in anderen Bereichen und führt ähnlich wie beim Thema Missbrauch zu der Frage, ob der kirchliche Föderalismus noch zur Selbststeuerung fähig ist. Nötig wäre eine kohärente und längerfristig tragfähige Reform. Stattdessen scheint die Kirche allmählich in chaotische Zustände zu schlittern.
Source: faz.net