Nach der Anzeige der Schauspielerin Fernandes gegen ihren Ex-Partner Ulmen auf Mallorca gibt die spanische Justiz den Fall an die deutschen Behörden ab. Es gehe um mutmaßliche Taten, die in Deutschland begangen worden seien.
Im Fall der von der Schauspielerin Collien Fernandes erhobenen Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen will die spanische Justiz die Ermittlungen ganz den deutschen Behörden überlassen. Ein Gericht in Palma de Mallorca erklärte, dass es für den Fall nicht zuständig sei. Die Vorwürfe sollten ausschließlich von der deutschen Justiz, konkret von der Staatsanwaltschaft Itzehoe, geprüft werden.
Zur Begründung hieß es in einer Erklärung des Gerichts, es gehe im Wesentlichen um mutmaßliche Taten, die in Deutschland begangen worden seien oder für die auf Deutsch publizierende Online-Plattformen genutzt worden seien. Auch die Zeugen seien aus Deutschland und lebten dort. Es sei darüber hinaus ein großer Übersetzungsaufwand nötig gewesen, um die gesamten vorlegten Konversationen aus dem Deutschen zu übersetzen.
Die Entscheidung des Gerichts in der Hauptstadt der spanischen Ferieninsel Mallorca ist den Angaben zufolge noch nicht rechtskräftig, gegen sie kann Einspruch eingelegt werden.
Spanien: Scharfes Strafrecht gegen sexuelle Gewalt
Fernandes hatte die Klage auf Mallorca eingereicht, weil sie und Ulmen dort vor dem Ende ihrer Ehe seit 2023 gelebt hatten. Die dort vorgebrachten Vorwürfe umfassten Aneignung des Personenstandes, Geheimnisverrat, öffentliche Beleidigung, regelmäßige Misshandlung und schwere Drohungen.
In Spanien gilt eines der schärfsten Strafrechte gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen. Die zugrunde liegende Gesetzesreform im Jahr 2022 ging auch bereits auf sexuelle Gewalt im digitalen Raum ein. Später wurde in Spanien zudem ein Gesetzentwurf gegen sexualisierte Deepfakes erarbeitet, um die Verbreitung gefälschter Nacktbilder oder entsprechender KI-Videos auch von Minderjährigen unter Strafe zu stellen.
Über die Vorwürfe der Schauspielerin gegen ihren Ex-Mann hatte zuerst das Magazin Spiegel berichtet. Nach Auswertung dieser Berichterstattung sprach die Staatsanwaltschaft Itzehoe Ende März von einem Anfangsverdacht gegen Ulmen und verwies zugleich darauf, dass für den Schauspieler weiter die Unschuldsvermutung gelte. Es werde geprüft, ob außer dem im Raum stehenden Straftatbestand der Nachstellung auch weitere Straftatbestände in Betracht kommen.
Ulmens Anwalt: Einstweilige Verfügung gegen Spiegel
Der 50-jährige Ulmen und die 44-jährige Fernandes waren seit 2011 ein Paar, vergangenes Jahr gaben sie ihre Trennung bekannt. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter. Ulmen bestreitet die Anschuldigungen, er habe im Internet Fake-Profile von Fernandes erstellt und darüber pornografische Darstellungen verbreitet.
Ulmens Anwalt reichte Ende März beim Landgericht Hamburg einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den Verlag des Spiegel ein, da dessen Berichterstattung „unvollständig und falsch“ sei. Fernandes‘ Vorwürfe führten in Deutschland in der Politik zu einer Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte in der Folge an, Gesetzeslücken schließen zu wollen.
Source: tagesschau.de