„Sowas gehört sich nicht“ – Nach dem Schlusspfiff entlädt sich die Mainzer Wut

Der Straßburger Stürmer Martial Godo überschreitet im Rückspiel der Conference League eine Grenze – zumindest aus Sicht der Spieler von Mainz 05. Ihr Furor ist einschüchternd.

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Direkt nach dem Abpfiff eskalierte es. Bundesligist Mainz 05 hatte in der Conference League eine bittere Schlappe hinnehmen müssen. 0:4 im Viertelfinale der Conference League beim französischen Klub Racing Straßburg. Aus der Traum vom Einzug in die nächste Runde. Dabei hatte der Klub mit dem 2:0 aus dem Hinspiel noch die Hoffnung genährt, dass es erstmals in der Vereinshistorie einen Halbfinaleinzug zu feiern gebe. Frust also bei den einen, Triumphgeheul bei den anderen. Aber sehr zum Missfallen der Mainzer – und mit Folgen.

Straßburgs Offensivspieler Martial Godo hatte sich seines Trikots entledigt, es über die Eckfahne gehängt und wedelte beseelt mit der Stange wie Dress vor dem Mainzer Fanblock herum. Offenbar zu viel für die geschundene Mainzer Spielerseele. Als Erster versuchte Nadiem Amiri, das Ganze zu unterbinden und zu sanktionieren.

Er rannte auf Godo zu, schubste ihn von hinten und war alsbald mit seiner Wut nicht allein. Schnell war ein Pulk von Mainzer Spielern bei Godo, drängte ihn hinter die Werbebande und an den Zaun. Dessen Gesichtsausdruck verriet, dass es zumindest Respekt einflößend für ihn war.

Zu allem Übel sah Nationalspieler Amiri nach der Partie noch die Rote Karte, weil er die Rudelbildung mit seinem Schubser ausgelöst hatte. Godo verwarnte Schiedsrichter Joao Pinheiro mit Gelb. „Das geht für mich gar nicht. So was gehört sich nicht, das hat für mich nichts mit Respekt zu tun“, sagte der Mainzer Mittelfeldspieler Paul Nebel über den unrühmlichen Schlussakkord des Franzosen.

Sein Trainer Urs Fischer rechnete dagegen mit seinem Team ab. „Man muss deutlich sagen: Wir waren überfordert. Sie haben uns aufgefressen“, sagte der 60-Jährige: „Es war das, was ich befürchtet habe: Wir hatten keine Antwort.“

Sichtlich angefressen analysiert der Mainzer Trainer Urs Fischer die Pleite

Die Rheinhessen konnten in keiner Phase an den bravourösen Sieg im Hinspiel anknüpfen und spielten beim französischen Erstligisten keine einzige Torchance heraus. „Wir hatten den Mut in diesem Spiel nicht“, bilanzierte Fischer sichtlich angefressen. Am Ende bemühte er sich noch um etwas versöhnliche Töne: „Ich muss auch vorsichtig sein nach so einem Spiel, dass man nicht was Falsches sagt. Die Jungs haben es bis zu dieser Partie zu gut gemacht, um alles schlechtzureden – aber es war wirklich unterirdisch.“

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Sportvorstand Christian Heidel meinte hingegen, die Mannschaft könne erhobenen Hauptes aus dem Wettbewerb gehen. „Wir müssen natürlich attestieren, dass wir heute chancenlos waren. Wir sind ausgeschieden gegen die beste Mannschaft in diesem Wettbewerb“, sagte er.

Trotz des Aus von Mainz darf die Bundesliga weiter auf sechs Champions-League-Plätze für die kommende Saison hoffen, befördert durch Freiburgs Einzug ins Europapokal-Halbfinale. Dafür müsste der SC Freiburg die Europa League gewinnen und sich somit ein direktes Startrecht für die Königsklasse ergattern. Außerdem müsste Deutschland im Uefa-Saisonranking Spanien noch vom zweiten Platz verdrängen, was für die Liga ebenfalls mit einem zusätzlichen Champions-League-Platz belohnt würde.

Nach den Viertelfinal-Rückspielen in der Europa League und Conference League ist der Rückstand der Bundesliga auf die spanische La Liga nochmals etwas gesunken. Deutschland kann noch mit Freiburg und dem FC Bayern (Champions League) punkten, Spanien hat in Atlético Madrid (Champions League) und Rayo Vallecano (Conference League) ebenfalls noch zwei Vertreter im Rennen.

Besonders wichtig waren im Duell mit Spanien die Viertelfinal-Siege des FC Bayern gegen Real Madrid und des SC Freiburg gegen Celta Vigo. Unangefochtener Spitzenreiter bleibt die englische Premier League, von der noch vier Klubs Europacup-Sieger werden können.

Aufgrund der aktuellen Konstellation sind für die Bundesliga noch neun statt der sechs festen Europacup-Startplätze, die ihr gemäß der Fünfjahreswertung der europäischen Fußball-Union über die Liga zustehen, möglich. Dafür müssen drei Bedingungen erfüllt werden.

  • Die Bundesliga belegt einen der beiden ersten Plätze im Uefa-Saisonranking. Das wird von der Uefa mit einem zusätzlichen Champions-League-Platz belohnt.
  • Freiburg gewinnt die Europa League und qualifiziert sich nicht über die Liga für einen internationalen Wettbewerb. Als Europa-League-Gewinner dürften die Breisgauer aber dennoch in der Königsklasse spielen.
  • Den DFB-Pokal gewinnt ein Team, das sich über die Liga für die Champions League oder Europa League qualifiziert. In dem Fall geht das Startrecht für die Europa League für den nationalen Pokalgewinner an die Liga. Da drei der vier Halbfinalisten (FC Bayern, VfB Stuttgart und Bayer Leverkusen) aktuell zu den Top 5 gehören, sind die Chancen dafür groß.

pk

Source: welt.de

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