Song zu Gunsten von Inklusion: Henning Krautmacher singt zu Gunsten von Zusammenhalt


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Henning Krautmacher präsentiert beim Köln-Heimspiel seine Inklusionshymne „Zusammen laut“ erstmals live – mit prominenter Unterstützung.

Höhner-Legende Henning Krautmacher (69) hat sich mit einem besonderen Musikprojekt zurückgemeldet. Als der 1. FC Köln am 12. April den SV Werder Bremen im RheinEnergie-Stadion empfing, feierte sein Inklusionssong „Zusammen laut“ Live-Premiere. Der Spieltag stand unter dem Motto „Zusammen laut für Inklusion„. Es war der Höhepunkt der Saisonpartnerschaft „FC-Doppelpass“ zwischen dem 1. FC Köln, seiner Stiftung und der Sozialorganisation Aktion Mensch.

Krautmacher ist Kuratoriumsmitglied der 1. FC Köln Stiftung und hat das Lied eigens für die Partnerschaft geschrieben. Neben ihm stehen prominente Unterstützerinnen und Unterstützer wie Annette Frier, Kristina Vogel, Guildo Horn, Joana Zimmer, Shary Reeves sowie die ehemaligen FC-Spieler Jonas Hector, Mark Uth und Stephan Engels – zusammen mit zahlreichen weiteren Mitwirkenden mit und ohne Behinderung.

Wie ein Refrain in Krautmachers Kopf entstand

Die Idee sei fast wie von selbst gekommen, erklärt Krautmacher im Interview. „Als der FC Köln auf mich zukam und mir von der ‚Doppelpass‘-Saisonpartnerschaft mit der Aktion Mensch erzählte, war für mich direkt klar: Das ist nicht nur ein Slogan, das ist die Hauptzeile in einem Song. Sofort ist in meinem Kopf der Refrain entstanden: ‚Zusammen laut, zusammen vertraut, zusammen im Spiel, zusammen ins Ziel‘.“ Den Funken dafür hatte ihm eine Schulklasse gegeben: „Jeder ist etwas Besonderes, aber keiner ist etwas Besseres – diese Zeile habe ich von Schülerinnen und Schülern gelernt, die zusammen mit [ihrer Lehrerin] Wilma Overbeck im Chor gesungen haben.“

Dass sich Prominente für das Projekt gewinnen ließen, sei keine Überzeugungsarbeit gewesen. „Weil das Thema so wichtig ist und sie mit ganzem Herzen davon überzeugt waren“, so Krautmacher. Wer ihm nahestand, habe nach nur einem Anruf sofort zugesagt. Und selbst Joana Zimmer (43), die er vorher kaum kannte, habe ganz genauso reagiert.

„Inklusion gilt für alle“

Zimmer, die von Geburt an blind ist, zeigte sich im Interview tief bewegt: „Als ich das Lied zum ersten Mal gehört habe, war ich zu Tränen gerührt von dem Text. Auch im Studio wurde es sehr emotional.“ Was sie antreibt, bringt sie klar auf den Punkt: „Die Botschaft, die wir vermitteln wollen, ist, dass es wirklich wichtig ist, überall in der Welt Inklusion zu haben. Dass wir uns daran erinnern, dass es jeden betreffen kann, dass jeder damit zu tun hat. Inklusion gilt für alle – und deshalb ist es wichtig, die Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken.“

Die ehemalige Weltklasse-Bahnradsportlerin Kristina Vogel (35) setzt in dem Song ein persönliches Statement. Die 35-Jährige ist seit einem schweren Trainingsunfall im Jahr 2018 querschnittsgelähmt. Sie macht gleich zu Beginn klar, dass das Singen nicht gerade ihre Komfortzone sei. „Ich singe gerne in der Dusche, aber ich bin keine Sängerin.“ Genau darin liege die eigentliche Stärke des Projekts: „Das zeigt ja auch, dass wir Dinge einfach zusammen machen können – dass sie ganz toll werden, wenn man Menschen auch eine Chance gibt, sich zu beweisen.“ Für Vogel ist Inklusion keine Frage der Haltung allein: „Ich bin kein Mensch zweiter Klasse, weil ich im Rollstuhl sitze. Teilhabe und Inklusion heißen für mich, dass jeder die gleichen Möglichkeiten hat.“

Gesellschaftlicher Rückschritt bereitet Sorgen

Auch Schauspielerin Annette Frier (52) hatte nach einem Anruf von Krautmacher keine Sekunde gezögert: „Ich habe direkt zugesagt. Ich finde es sehr wichtig, gerade jetzt ein Zeichen für Inklusion zu setzen.“ Die 52-Jährige ist seit Jahren engagiert – unter anderem begleitet sie seit sieben Jahren ein Schreibprojekt im Rahmen des Literaturfestivals lit.cologne, bei dem Texte junger Menschen mit Behinderung entstehen. Ihre Erfahrung: „Inklusion lohnt sich immer zu einhundert Prozent.“

Sänger Guildo Horn (63) blickt mit gemischten Gefühlen auf die gesellschaftliche Entwicklung. Er selbst habe einmal tagelang versucht, das Bahnnetz in Nordrhein-Westfalen im Rollstuhl zu befahren und dabei gesehen, wo es noch Barrieren gibt und wie viele es noch sind. Insgesamt sehe er beim Thema Barrierefreiheit aber ganz gute Fortschritte. „Etwas anderes ist die gesellschaftliche Akzeptanz: Die geht für mich in den letzten Jahren leider mehr und mehr flöten. Da waren wir vor ein paar Jahren schon auf einem besseren Weg. In Zeiten vieler Krisen werden andere Maßstäbe gesetzt – und das gesellschaftliche Miteinander wird nicht mehr so in den Vordergrund gestellt“, sagt der Sänger. Sein Appell ist klar: „Inklusion tut man auch für sich selbst. Sie bereichert jeden.“

Dem schließt sich auch Moderatorin und Schauspielerin Shary Reeves (56) an. „Wir gehören alle zusammen. Punkt. Es geht darum, Barrieren nicht nur auf der Straße, sondern vor allem in den Köpfen abzubauen. Ich möchte zeigen, dass Inklusion kein ’nettes Extra‘ ist, sondern die Basis für eine (erfolg)reiche, lebendige Gesellschaft.“ Für die 56-Jährige sei es „eine Herzensangelegenheit, meine Stimme für ein Miteinander einzusetzen, das keine Unterschiede macht, sondern die Vielfalt feiert“.

SpotOnNews

Source: stern.de