Nach der Anzeige der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen haben sich zahlreiche Prominente mit ihr solidarisiert. In den sozialen Netzwerken, vor allem auf Instagram, äußerten sie Entsetzen und Mitgefühl. Auch eine politische Debatte hat begonnen: Gibt es in Deutschland eine gesetzliche Lücke bei digitaler Gewalt?
Über den Fall hatte das Magazin „Spiegel“ berichtet. Der 50-jährige Schauspieler Ulmen soll sich im Internet als seine damalige Frau ausgegeben und teils sexuelle Chat-Kontakte mit Männern in ihrem Namen gehabt haben. Ulmen habe außerdem manipulierte Fotos und Videos von Fernandes verbreitet, wie der „Spiegel“ berichtet. Dem „Spiegel“ zufolge soll Fernandes ihrer Beschreibung nach über Jahre den mutmaßlichen Erniedrigungen ihres Ex-Mannes ausgesetzt gewesen sein sollen. Weihnachten 2024 soll Ulmen ihr auf Druck gebeichtet haben, dass er hinter den gefakten Fotos im Netz stecke. Ende 2025 verkündeten beide die Trennung. Das Paar hat eine gemeinsame 13-jährige Tochter.
Die spanische Staatsanwaltschaft auf Mallorca, wo beide leben, ermittelt derzeit. Ulmens Anwalt geht gegen die Berichterstattung im „Spiegel“ vor. Es handle sich um unzulässige Verdachtsberichterstattung und der Verbreitung unwahrer Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung, heißt es in einem Schreiben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Unter dem Betreff „Zur Spiegel-Recherche“ beschreibt Fernandes auf Instagram, wie jahrelang unter ihrem Namen falsche Nacktfotos und andere pornografische Inhalte von ihr über Fake-Profile verbreitet worden sein sollen. Bereits 2023 ging sie mit den Vorfällen an die Öffentlichkeit, 2024 drehte sie eine Dokumentation zu dem Thema, doch es hörte nicht auf. „Die Jagd nach den Tätern nannten wir den ersten Teil, für den ich weit umherreiste“, schreibt Fernandes auf Instagram. „Doch das wäre gar nicht nötig gewesen“. Jetzt wisse sie: Der mutmaßliche Täter sei „die ganze Zeit über ziemlich nah“ gewesen, schreibt sie weiter: „sein Name: Christian Ulmen“.
Mehr als 309.000 Menschen haben Fernandes’ Beitrag bis Freitagmorgen gelikt, mehr als 18.000 haben ihn kommentiert. Viele dankten ihr für ihren Mut, an die Öffentlichkeit zu gehen, und wünschten ihr viel Kraft. Einige zitierten Satz des Missbrauchsopfers Gisèle Pelicot: „Die Scham muss die Seite wechseln.“
Auch politisch hat die Berichterstattung über Fernandes und Ulmen eine Debatte ausgelöst. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) will Strafbarkeitslücken bei „digitaler Gewalt“ schließen. „Ich will mich darum kümmern, dass zum Beispiel das Herstellen und Verbreiten von pornografischen Deepfakes unter Strafe gestellt wird, damit wir da eine klare Gesetzeslage haben“, sagte Hubig bei RTL/ntv.
Grünen-Politikerin Ricarda Lang meldete sich zu Wort: „Ich hab gar keine Worte dafür, wie schlimm das ist. Danke für deinen Mut.“ In ihrem Kommentar auf Instagram schrieb sie: „Du zeigst damit ganz vielen Betroffenen, dass sie nicht allein mit diesen Erfahrungen sind. Das Ganze hat System. Und vor allem machst du darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, dass wir digitale Gewalt endlich ernst nehmen und die Gesetzeslücken, die Frauen schutzlos zurücklassen, schließen!“
Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein verwies auf die Probleme bei der Verbreitung von Bildmaterial im Internet. Er sagte „Bild“: „Die Berichte über die Leidensgeschichte von Collien Fernandes machen mich betroffen. Das zeigt einmal mehr auf schreckliche Weise, dass sexualisierte Gewalt und Unterdrückung wirklich jede Frau treffen kann.“ Gegen solche Straftaten müsse „mit aller Härte“ vorgegangen werden. Deshalb haben das Bundesland Hessen beim Ministerpräsidentengipfel die Forderung durchgesetzt, Betreiber von Internet- und Social-Media-Plattformen „für die Verbreitung intimer Bilder und KI-Deepfakes härter zu bestrafen und eine Beweislastumkehr zulasten der Täter einzuführen“, sagte Rhein weiter.
Grünen-Politikern Katrin Göring-Eckardt schrieb: „So grausam, so unermesslich brutal, es ist kaum zu erfassen, was das zu bedeuten hat. Danke für den Mut und die Entschlossenheit. Ich sende Kraft und Dank zugleich.“
Ex-SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert äußerte sich: „Hochachtung für den Mut, sich über Jahre hinweg zu wehren und jetzt auch noch diesen großen Schritt zu gehen und das ganze Ausmaß transparent zu machen. Es sind diese Taten, die beweisen, dass der Satz ,Die Scham muss die Seiten wechseln‘ nicht in irgendwelche Sprüchekalender gehört, sondern in unser Bewusstsein.“
Prominente schreiben an Collien Fernandes
Neben mehreren Tausend Followern bekundeten Politiker, Schauspieler und Autoren Unterstützung. Die 50-jährige Anika Decker, bekannt aus „Keinohrhasen“, schrieb: „Ich wünsche dir ganz viel Kraft. Es tut mir unendlich leid, was dir passiert ist.“ Der Schauspieler Bruno Alexander kommentierte Fernandes Beitrag mit einem Herz-Emoji. Schauspielkollege Oskar Belton schrieb: „Ganz ganz viel Kraft für dich, Collien“.
Die Journalistin Düzen Tekkal kommentierte: „Das erste Gefühl: Mir fehlen die Worte, mir ist wirklich schlecht. Das zweite Gefühl: Mitgefühl für dich und Demut. Ich danke dir von ganzem Herzen für deinen Mut, das Schweigen zu brechen. Wohlwissentlich, was das für dich persönlich bedeutet, auch als Mama. Wir stehen hinter dir. Du bist nicht allein, die Scham wird und muss die Seite wechseln. Virtuelle Vergewaltigung und digitale Justiz müssen an den Pranger gestellt werden. Danke für deinen Mut.“
„Die Mutigste bist Du“, schrieb die Autorin Sophie Passmann. Fernandes‘ Schauspielkollegin Susan Sideropoulos, bekannt aus „Rote Rosen“, schrieb: „Sprachlos. Ich glaub’, mein Herz hat für einen Augenblick aufgehört zu schlagen. Umarme dich fest.“
Das Unternehmen „Shop Apotheke“ verkündete, vorerst keine TV-Werbung mehr auszustrahlen, in der das frühere Ehepaar Ulmen/Fernandes lange zu sehen war. Die Versandapotheke teilte der Sender RTL mit: „Aus gegebenem Anlass werden wir die Werbung mit den betroffenen Personen vorerst aussetzen.“
Source: welt.de