Sind die Atomgespräche in Genf die letzte Chance aufwärts vereinigen Deal?

Stand: 26.02.2026 • 04:19 Uhr

Weitere Verhandlungen über das iranische Atomprogramm in Genf. Ein Deal zwischen Washington und Teheran ist diesmal wahrscheinlicher als noch vor einer Woche. Aber noch immer stehen gegenseitige Drohungen im Raum.

Neun Tage nach ihrem letzten Treffen in der Genfer Residenz des omanischen UN-Botschafters kommen sie wieder zusammen: Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi und die Unterhändler von Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner. Wieder soll über das iranische Atomprogramm verhandelt werden.

Trump droht Teheran mit Militärschlägen, sollte es zu keiner Einigung kommen. Angesichts der enormen Militärpräsenz der USA rund um Iran stellt sich die große Frage: Kommt es zu einem großen Krieg oder doch noch zu einem diplomatischen Deal?

Drohungen, ohne Strategie

„Ich glaube, die Chancen stehen insgesamt besser, als sie vielleicht noch vor einer Woche standen“, sagt Roland Popp, strategischer Analyst von der Militärakademie an der ETH Zürich. Insgesamt entstehe der Eindruck, dass die Trump-Administration einen militärischen Aufmarsch durchgezogen habe, ohne eine wirkliche unterliegende Strategie.

„Und nun scheint man sich dessen gewahr zu werden, wie gefährlich tatsächlich ein Waffengang wäre.“ Und die Bereitschaft der USA, eine Verhandlungslösung zu erreichen, scheine größer als noch in der vergangenen Woche, erklärt Popp weiter.

Weitere Sanktionen

Gleichzeitig erhöht Washington den Druck auf Teheran. Am Vorabend der Gesprächsrunde in Genf verhängte die US-Regierung neue Sanktionen – gegen, wie es heißt: Personen, Unternehmen und Schiffe, denen unter anderem zur Last gelegt werde, “ Iran in die Lage zu versetzen, sein Programm für ballistische Raketen voranzutreiben“.

Die Iraner, so US-Präsident Trump in seiner Rede an die Nation, arbeiteten daran, Raketen zu bauen, die bald die Vereinigten Staaten von Amerika erreichen würden.

Eine durchaus ernst zu nehmende Bedrohung, sagt Militärstrategie-Experte Popp: „Die Iraner sind, was Raketentechnologie angeht, einer der fortgeschrittensten Staaten auf der Welt inzwischen.“ Das Land sei in der Lage, Satelliten in den Weltraum zu schicken. „Und wenn sie das können, dann können sie theoretisch auch interkontinentale Raketen bauen.“

Iran will nur über Atomprogramm reden

Die Iraner hätten sich bei der Entwicklung neuer Raketen in den vergangenen Jahren sozusagen selbst eine Reichweitenbeschränkung auferlegt – um eben auch kein Argument zu liefern für einen amerikanischen Militärschlag. Aber die technologische Möglichkeit hätten die Iraner durchaus, so Popp. „Gegenwärtig sind sie dazu noch nicht in der Lage.“

Die USA wollen bei den Gesprächen in Genf auch das iranische Raketenprogramm thematisieren, Teheran will allerdings nur über sein Atomprogramm verhandeln und im Gegenzug über die Aufhebung von Sanktionen.

Brandgefährliche Ausgangslage

Man wolle alles tun, um so schnell wie möglich eine Einigung zu erzielen, heißt es laut iranischen Staatsmedien vom Regime in Teheran, das gleichzeitig ebenfalls mit militärischen Schlägen droht, sollten die USA angreifen.

Ähnlich die Tonlage in Washington: Präsident Trump bevorzuge eine diplomatische Lösung, so Vize-Präsident JD Vance im Sender Fox News, werde aber „wenn nötig, das Militär entfesseln“.

Eine brandgefährliche Ausgangslage für die Gesprächsrunde heute in Genf. „Die Situation ist insofern sehr gefährlich, dass man diese militärische Drohkulisse nicht lange aufrechterhalten kann“, sagt Popp. „Das heißt, wenn Trump jetzt einfach abzöge und das aufgäbe, ohne irgendeinen Deal erreicht zu haben, wäre es ein gewaltiger Gesichtsverlust.“ Im Grunde habe sich Präsident Trump in eine Lage manövriert, aus der nun kaum wieder herauskomme, erklärt Popp weiter. „Und das macht die Kriegsgefahr eben so groß.“

Source: tagesschau.de