Man kann die Auffassung vertreten, je weniger Aufhebens um die türkische Herkunft des neuen obersten Verfassungsschützers gemacht werde, desto besser. Schließlich haben schon andere Personen mit Migrationshintergrund hohe Ämter bekleidet.
Aber als Sinan Selen 2019 Vizepräsident des Bundesamts für Verfassungsschutz wurde, kursierten noch allerlei niederträchtige Kommentare, die sich auf seinen Einwanderungshintergrund bezogen. Darum ausdrücklich: Es ist ein gutes Zeichen, dass einer wie er an die Spitze einer Bundesbehörde aufsteigen kann. Und zwar, weil er, wie es Selen weithin zugeschrieben wird, sich auf seinen vorherigen Posten als tüchtig gezeigt hat.
Wichtig, eine Erfolgsgeschichte hervorzuheben
Gescheiterte Integration macht ständig Schlagzeilen. Die mit der Migration verbundenen Friktionen gehören unumwunden angesprochen. Aber gerade deshalb ist es ebenso angebracht, eine Erfolgsgeschichte hervorzuheben, die schließlich für die weitaus größere Zahl erfolgreicher Integrationsgeschichten steht.
Ob Selen sich auch auf seinem neuen Posten bewährt, muss er dann immer noch zeigen. Übergroße Fußstapfen muss er nicht ausfüllen. Seine beiden Vorgänger haben zwar nicht alles falsch gemacht. Aber sie haben beide durch ausgeprägtes politisches Selbstbewusstsein und jeweils turbulente Abgänge dafür gesorgt, dass das Anforderungsprofil an den Neuen vor allem lautet: leise, gute Sacharbeit.
Source: faz.net