Siemens im Höhenflug: „Wir konstruieren dies KI-basierte Betriebssystem zum Besten von die Industrie“

Der Technologiekonzern Siemens sieht sich gut positioniert, um von den indus­triellen Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) profitieren zu können. „Wir sind an einer Schlüsselstelle, wenn man so will, da, wo Intelligenz wirksam wird“, sagte der Vorstandsvorsitzende Roland Busch am Donnerstag auf der Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle. Es war die erste Präsenzveranstaltung seit sechs Jahren. Busch stellte sich den Aktionären erstmals persönlich, seit er im Februar 2021 den Vorstandsvorsitz übernahm. Den 3500 anwesenden Anteilseignern konnte er von einem erfolgreichen Start in das neue Geschäftsjahr 2025/26 (per 30. September) berichten: „Siemens ist in seinen Wachstumsmärkten sehr gut positioniert.“ Die KI bezeichnete er als starken Wachstumstreiber. „Wir bauen das KI-basierte Betriebssystem für die Industrie“, sagte Busch.

An der Börse legte der Aktienkurs um sechs Prozent zu. Mit einer Marktkapitalisierung von 218 Milliarden Euro liefert sich Siemens seit einigen Wochen ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Spitzenplatz des deutschen Unternehmens mit dem höchsten Börsenwert. Für Busch ist die gute Kursentwicklung – plus 26 Prozent im Geschäftsjahr 2024/25 – Beleg für die funktionierende Strategie. „Siemens ist heute stärker als je zuvor“, sagte er. Doch diese Position will er mit der neuen Strategie zur One Tech Company ausbauen. Damit verfolgt der Vorstand einen stärkeren Kundenfokus, schnellere Innovationen und höheres profitables Wachstum. Möglicherweise wird sich die neue Strategie mittelfristig in einer neuen Aufteilung der Geschäftsfelder niederschlagen. Für Ingo Speich, Vertreter der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka, muss der Beweis, dass die Strategie funktioniert, noch erbracht werden. „Die Konkurrenz im Technologie-Umfeld schläft nicht“, sagte er.

Gewinn nach Steuern steigt

Im ersten Quartal zeigte sich der Technologiekonzern robust. Einschließlich der Belastungen durch den starken Euro erhöhte sich der Auftragseingang um sieben Prozent auf 21,4 Milliarden Euro und der Umsatz um vier Prozent auf 19,1 Milliarden Euro. „Das Team erreichte einen Quartalsrekord mit großen Aufträgen für Rechenzentren für Cloud- und KI-Infrastruktur, hauptsächlich in den USA. Einem weiterhin boomenden Markt“, berichtete Busch.

Der Gewinn nach Steuern erreichte in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2,2 Milliarden Euro. Das war fast ein Viertel mehr als der Vergleichswert im Vorjahreszeitraum. Wieder einmal erwies sich die Sparte Smart Infrastructure, in der das Geschäft mit Elektrifizierung und intelligenter Gebäudetechnik gebündelt ist, als am leistungsstärksten. Auf vergleichbarer Basis stieg der Auftragseingang um 22 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro und der Umsatz um zehn Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Das Ergebnis verbesserte die Sparte um 18 Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Es war das 21. Quartal in Folge, in dem Smart Infrastructure die operative Ergebnismarge gegenüber dem Vorjahreszeitraum verbesserte.

Zweistellige Wachstumsraten zeigte auch die Kernsparte Digital Industries. Der im Vorstand von Cedrik Neike verantwortete Bereich steigerte den Auftragseingang um 13 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro und den Umsatz um zehn Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Das Ergebnis sprang um 37 Prozent auf 804 Millionen Euro. Digital Industries sei gut ins neue Jahr gestartet, auch wenn das wirtschaftliche Umfeld in wichtigen Branchen nur begrenzt unterstützend gewirkt habe, sagte Busch. Auto- und Maschinenbau hätten unter Druck gestanden.

Das Rennen um die Busch-Nachfolge ist gestartet

Die Zugtechniksparte Mobility verbesserte ihr Ergebnis um 15 Prozent auf 286 Millionen Euro. Der Auftragseingang legte um zehn Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu und der Umsatz um neun Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Busch hofft auf weitere Aufträge für Mobility, weil Siemens in einigen Ausschreibungen als bevorzugter Bieter feststehe. Die Nachfrage nach Rechenzentren übertraf nach seiner Aussage die Erwartungen. Die Aufträge erreichten den Rekordwert von 1,8 Milliarden Euro. Das Team habe den Umsatz im ersten Quartal um rund 35 Prozent gesteigert. Der Siemens-Vorstand hob nach dem guten Startquartal den Ausblick an. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie (für den Gewinn nach Steuern) vor Effekten aus der Kaufpreisallokation wird nun in einer Bandbreite von 10,70 bis 11,10 Euro je Aktie erwartet. Zuvor waren es 10,40 bis 11,00 Euro.

Das Rennen um die Nachfolge des Siemens-Vorstandsvorsitzenden Busch hat der Aufsichtsrat am Mittwochabend eröffnet. Peter Körte, im Vorstand bislang verantwortlich für Technologie und Strategie, wird vom 1. Juli an zusätzlich für die erfolgreiche Sparte Smart Infrastructure von Matthias Rebellius zuständig sein. Damit erhält Körte nun die operative Verantwortung für eine Sparte, die im Aufsichtsrat als Voraussetzung für den Chefposten gilt. Der Vertrag von Busch läuft noch bis 2030. Als möglicher Nachfolger gilt auch Neike. In dem von ihm verantworteten Geschäft mit der Indus­trieautomatisierung gab es im vergangenen Jahr Rückschläge, da sich die konjunkturelle Erholung in China verzögerte. Immerhin konnte Digital Industries in den beiden vergangenen Quartalen eine Trendwende verzeichnen mit höheren Aufträgen und Umsätzen.

Auch im Finanzressort kommt es zu einem Wechsel, der schon im November angekündigt worden war. Neu ist aber der Termin 1. April: Dann wird Veronika Bienert die Nachfolge von Finanzvorstand Ralf Thomas antreten, dessen Vertrag in diesem Jahr endet. Thomas wird aber weiterhin Aufsichtsratsvorsitzender des Medizintechnikunternehmens Siemens Healthineers bleiben. Den Anteil an ­Healthineers will Siemens von 67 Prozent auf 37 Prozent reduzieren. Die 30 Prozent sollen an die Siemens-Aktionäre gehen. Hier sind noch regulatorische und steuerliche Fragen zu klären. Busch kündigte für das Frühjahr weitere Einzelheiten zu der geplanten Dekonsolidierung an.

Thomas wird nach Angaben des Unternehmens auf eigenen Wunsch mit Ablauf des 13. Mai aus dem Vorstand ausscheiden und bis zum regulären Ende seiner Amtszeit im Dezember 2026 als Berater zur Verfügung stehen.

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