Nach ihrem stillen Protest beim Asien-Cup droht der iranischen Frauenfußball-Nationalmannschaft in ihrer Heimat Verfolgung. In Australien erleben sechs Spielerinnen und ein Staff-Mitglied nun einen emotionalen Neuanfang. Die Sorge um den Rest des Teams bleibt.
Nach dem symbolträchtigen Bild der fünf iranischen Fußballerinnen ohne Kopftuch wurde zwei weiteren Mitgliedern der iranischen Delegation Asyl in Australien gewährt. Das teilte der Innenminister des Landes, Tony Burke, am Mittwoch Ortszeit in Canberra mit. Die iranische Mannschaft war zum Asien-Cup im Land.
Die beiden Frauen, eine Spielerin und ein Mitglied des Staffs, seien mit den fünf Spielerinnen zusammenführt worden, die schon am Tag zuvor die Zusage humanitärer Visa gefeiert hatten. Bei ihnen handelte es sich um Kapitänin Zahra Ghanbari (34), Fatemeh Pasandideh (21), Zahra Sarbali (32), Mona Hamoudi (32) und Atefeh Ramezanizadeh (33). Wer die weiteren beiden Personen sind, blieb zunächst unklar. Sie hätten Asyl beantragt, bevor ihre Teamkolleginnen zum Flughafen gebracht worden seien, so Burke.
Das restliche Team verließ das Land am Dienstagabend, zunächst in Richtung Malaysia. Burke sagte, dass die Frauen bei der Sicherheitskontrolle an der australischen Grenze einzeln von australischen Beamten und Dolmetschern beiseite genommen wurden, ohne dass Begleitpersonen anwesend waren. Ihnen wurde Asyl angeboten.
„Sie hatten die Wahl“, sagte er. „In dieser Situation haben wir darauf geachtet, dass es keine Eile und keinen Druck gab.“ Diejenigen, die Asyl beantragt haben, haben befristete humanitäre Visa erhalten, die einen Weg zur dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung in Australien eröffnen, sagte Burke.
Die Athletinnen hatten nach dem Aus beim Asien-Cup an der Gold Coast unter Polizeischutz das Teamhotel verlassen, nachdem sie im Iran wegen ihres stillen Protests in die Kritik geraten waren.
Die Migrationsberaterin der Regierung, Naghmeh Danai, berichtete nach Gesprächen mit den Asylsuchenden: „Sie standen unter großem Stress. Sie wussten nicht, was sie tun sollten, sie machten sich Sorgen um ihre Familie, ihr Vermögen im Iran und fragten sich, welche Entscheidung jetzt die beste sei. Meiner Beobachtung nach sind sie jung und unschuldig. Sie können sich nicht einmal das Ausmaß dessen vorstellen, was ihnen widerfahren könnte, wenn sie zurückkehren würden. Sie hatten sogar Angst vor den australischen Polizisten hier, weil die Polizei im Erscheinungsbild der iranischen ähnelt.“
Trump interveniert – doch da laufen schon die Visa-Vorbereitungen
Beim ersten Gruppenspiel des Turniers unmittelbar nach den Luftangriffen auf den Iran durch die USA und Israel hatte das iranische Team beim Abspielen der Nationalhymne geschwiegen. Dies wurde als Zeichen gegen die iranischen Machthaber gewertet. Befürchtet wurde, dass ihnen nach der Rückkehr in ihre Heimat schlimme Konsequenzen drohen könnten.
Sogar Donald Trump schaltete sich ein. Der US-Präsident forderte vom australischen Premierminister Anthony Albanese Asyl für die iranischen Spielerinnen, die seiner Meinung nach bei einer Rückkehr in die Heimat „mit hoher Wahrscheinlichkeit getötet“ würden. Wenig später verkündete Trump auf seiner Plattform Truth Social nach einem Gespräch mit Albanese zu dem Asyl-Thema: „Er kümmert sich darum!“ Allerdings liefen im Hintergrund in Australien schon länger Vorbereitungen für die Visa-Erteilung.
Burke erklärte am Dienstag Ortszeit, die Regierung habe zunächst bewusst nicht öffentlich über ihre Hilfsbemühungen gesprochen, um die Sicherheit der Spielerinnen nicht zu gefährden. „Diese Frauen sind großartige Sportlerinnen und großartige Menschen, sie werden sich in Australien sehr zu Hause fühlen“, sagte er. „Australien hat die iranische Frauenfußballmannschaft in seine Herzen geschlossen.“
Regierungschef Albanese erklärte, viele Australier seien vom Schicksal der Spielerinnen bewegt gewesen. „Sie sind hier sicher und sollen sich willkommen fühlen“, betonte er vor Journalisten.
Trump vermutete, dass nicht alle Spielerinnen aus freien Stücken in den Iran zurückreisen würden. „Einige fühlen sich gezwungen, zurückzukehren, weil sie um die Sicherheit ihrer Familien fürchten, auch wegen Drohungen gegen Familienmitglieder, sollten sie nicht zurückkehren“, sagte er.
Laut Nachrichtenagentur AP berichtete das iranische Staatsfernsehen, dass der iranische Fußballverband die internationalen Verbände aufgefordert habe, Trumps „direkte politische Einmischung in den Fußball“ zu überprüfen. Dass aber ausgerechnet der Weltverband Fifa dessen Präsident Gianni Infantino beste Kontakte zu Fifa-Friedenspreisträger Trump pflegt, in dieser Sache aktiv wird, gilt als nahezu ausgeschlossen.
Irans Sportminister Ahmad Donjamali sagte laut der Nachrichtenagentur Isna, dass alle in Australien gebliebenen Spielerinnen jederzeit in den Iran und ins Nationalteam zurückkehren könnten. Er sprach von einer „politischen Verschwörung“. US-Präsident Donald Trump und „feindliche Akteure“ hätten versucht, den Asien-Cup „propagandistisch zu instrumentalisieren“.
pk/luwi/AP/dpa
Source: welt.de