Zusätzliches Personal in den Zügen – diese Forderung steht nach dem Willen der Eisenbahngewerkschaft EVG im Mittelpunkt des Bahnsicherheitsgipfels in Berlin. „Niemand soll mehr allein im Zug eingesetzt werden“, verlangte der EVG-Vorsitzende Martin Burkert am Donnerstag im Vorfeld der Veranstaltung. Bahnchefin Evelyn Palla hatte nach dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters in einem Regionalzug zu dem Treffen eingeladen, an dem am Freitag Spitzenvertreter des Bundes, der Länder, der Bahnbranche und der Bahnbeschäftigten teilnehmen.
In erster Linie dürfte es auf dem Gipfel um die Finanzierung von mehr Sicherheit in den Bahnen gehen. Das hatte schon die DB selbst in Aussicht gestellt. Palla wolle kurzfristige Maßnahmen mit allen relevanten Akteuren definieren, aber auch die langfristige Finanzierungsfrage der Sicherheitskräfte im Regional- und Nahverkehr klären. Denn deren Einsatz werde über Verkehrsverträge individuell festgelegt.
Übergriffe gehören zum Arbeitsalltag
„Wir brauchen flächendeckende Doppelbesetzung“, sagte EVG-Chef Burkert mit Blick auf die häufig alleine mitfahrenden Zugbegleiter und nannte dies die zentrale Forderung der Gewerkschaft. „Sicherheit darf nicht am Geld scheitern, das ist für uns nicht verhandelbar.“ Klar ist, dass mehr Personal auch mehr kostet. Wieviel und wer für diese Kosten gerade steht – darum dürfte es am Freitag vor allem gehen.
Die EVG betont, dass Übergriffe von Bahnreisenden heute zum Arbeitsalltag von Zugbegleitern gehören. In einer Umfrage der Gewerkschaft gaben im Jahr 2024 rund 82 Prozent von 4000 Befragten mit Kundenkontakt an, schon einmal Anfeindungen oder Übergriffe erlebt zu haben. 61 Prozent berichteten von einer körperlichen Bedrohung. 63 Prozent sagten, ihr Sicherheitsempfinden habe sich in den vergangenen Jahren zum Teil deutlich verschlechtert. 36 Prozent fühlten sich während ihrer Arbeit nicht mehr sicher.
Die Eisenbahngewerkschaft und ihre Betriebsräte beklagen, dass sie im Bereich der Sicherheit Fortschritte bislang nur mühsam und gegen große Widerstände erkämpft hätten. Im Vorfeld des Bahnsicherheitsgipfels erhoben die Arbeitnehmervertreter neben der Doppelbesetzung von Zugbegleitern weitere Forderungen. Dazu gehört die Möglichkeit von Bodycams mit Tonaufzeichnung für alle Beschäftigten im Kundenkontakt. Eingeführt sind schon bildaufzeichnende Geräte – aber nur bei DB Regio, nicht bei den Wettbewerbern der DB.
Als weiterer Punkt werden höhere Strafen angeführt, und dies schon für Taten wie Beleidigungen, Schubsen oder Spucken. Die EVG hofft, dass sich damit die Hemmschwelle für Alltagsgewalt steigern lässt.