Selenskyj offen für ReferendumWitkoff meldet „bedeutende Fortschritte“ bei Ukraine-Gesprächen
18.02.2026, 08:33 Uhr
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Die bisherigen Ukraine-Gespräche verlaufen ohne Ergebnis. Russland bleibt bei seiner Maximalforderung, Kiew lehnt einen vollständigen Rückzug ab. Nun äußert sich Trumps Sondergesandter positiv nach einem Treffen in Genf. Indes spricht Selenskyj über ein mögliches Referendum zur Frontlinie.
Der erste Tag der direkten Verhandlungen zwischen Vertretern Moskaus und Kiews unter Vermittlung der USA über eine Beendigung des Krieges in der Ukraine hat dem US-Sondergesandten Steve Witkoff zufolge „bedeutende Fortschritte“ gebracht. Er sei „stolz“, unter der Führung von US-Präsident Donald Trump „daran zu arbeiten, das Töten in diesem schrecklichen Konflikt zu beenden“, erklärte Witkoff bei X.
Beide Seiten einigten sich Witkoff zufolge darauf, ihre jeweiligen Staatschefs auf den neuesten Stand zu bringen und weiter auf eine Einigung hinzuarbeiten. Für den heutigen Mittwoch sind im schweizerischen Genf weitere Gespräche geplant. Das Treffen am Dienstag habe „sechs Stunden gedauert“ und sei „sehr angespannt“ gewesen, verlautete aus der russischen Delegation nahestehenden Kreisen. Details wurden nicht bekannt.
Der als politische Beobachter des US-Nachrichtenportals „Axios“ gewöhnlich gut informierte Journalist Barak Ravid schrieb unter Berufung auf eigene Quellen bei X, die Verhandlungen zum politischen Teil der Friedensgespräche seien in einer „Sackgasse“. Ursache dafür sind die Positionen des russischen Verhandlungsführers Wladimir Medinski. Dem aus der Zentralukraine stammenden russischen Ex-Kulturminister Medinski wird nachgesagt, in vorherigen Verhandlungsrunden längere historische Vorträge zur Geschichte der Ukraine aus russischer Sicht gehalten zu haben. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte Ravid kurz zuvor ein Interview gegeben.
Der ukrainische Unterhändler Rustem Umerow hatte vor Beginn der Gespräche erklärt, zu den geplanten Gesprächsthemen würden „Sicherheitsfragen und humanitäre Fragen“ zählen. Er beteilige sich „konstruktiv“ und „ohne übermäßige Erwartungen“, ergänzte er. Auf russischer Seite hatte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow im Vorfeld erklärt, es verblieben „umfassende“ zu klärende Fragen. Moskau wolle nicht nur eine Gefechtspause, sondern ein „dauerhaftes“ Abkommen.
Als Vermittler aus den USA sind Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner nach Genf gereist. Aus deutschen Regierungskreisen verlautete, dass auch der außen- und sicherheitspolitische Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz, Günter Sautter, vor Ort und bei den Gesprächen dabei sei. Auch Italien, Frankreich und Großbritannien sind mit ihren „Sicherheitsberatern“ vertreten sind, hieß es aus italienischen Regierungskreisen.
Referendum zu Frontlinie
Zwei vorherige Gesprächsrunden zwischen ukrainischen und russischen Delegationen in Abu Dhabi hatten kein Ergebnis gebracht. In zentralen Fragen liegen Moskau und Kiew weiterhin weit auseinander. Moskau fordert als Voraussetzung für ein Ende der Kämpfe einen vollständigen Rückzug Kiews aus der Industrieregion Donbass. Die Ukraine lehnt dies jedoch ab.
„Emotional werden die Menschen das niemals verzeihen. Niemals“, sagte Selenskyj gegenüber „Axios“. Seine Landsleute würden nicht verstehen, warum sie zusätzliche Gebiete abgeben sollen. Selenskyj zufolge haben seine Regierung und die in Washington vereinbart, dass jedes Abkommen eine Zustimmung der ukrainischen Bevölkerung per Referendum erfordert.
Einem Einfrieren des Konflikts entlang der aktuellen Frontlinie könnten die Ukrainer in einer Volksbefragung womöglich zustimmen, sagte Selenskyj. „Ich denke, dass die Menschen das in einem Referendum akzeptieren würden. Das ist meine Meinung.“ Ein solcher Volksentscheid könnte parallel zu Präsidentschaftswahlen abgehalten werden.
Selenskyj will Putin treffen
Selenskyj will die strittigen Gebietsfragen bevorzugt bei einem direkten Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin lösen. Er habe der ukrainischen Delegation Anweisung gegeben, diese Frage in Genf anzusprechen. Der Kreml lehnt einen solchen Gipfel zwar nicht direkt ab, sprach aber mehrfach davon, dass ein derartiges Treffen entsprechend vorbereitet werden müsse – und lässt kein Interesse an konkreten Vorbereitungen erkennen.
Trump hatte im Vorfeld der Gespräche erneut die Ukraine zu einer baldigen Einigung mit Moskau gedrängt. Kiew solle „besser schnell an den Verhandlungstisch kommen“, sagte Trump. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz beklagt, die USA würden oft nur die Ukraine zu Zugeständnissen drängen.
Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Januar 2025 versucht das Weiße Haus, die Ukraine und Russland über Verhandlungen und wechselseitigen Druck zu einem Ende des Krieges zu bewegen. Die europäischen Verbündeten der Ukraine beklagen, dass sie dabei als unmittelbare Nachbarn des Konflikts häufig übergangen worden seien.
Source: n-tv.de