Der geplante Auftritt der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese im Berliner Kino Babylon löst weiter Kritik aus. Nun distanziert sich auch Berlins Kultursenatorin von der Veranstaltung.
Ein geplanter Aufritt der UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, in Berlin sorgt weiter für scharfe Kritik. Eine Sprecherin von Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson sagte dem „Tagesspiegel“: „Die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und ihre Senatorin sehen diesen Abenden mit deutlicher Distanz entgegen.“ Auch wenn solche Auftritte „nur schwer auszuhalten“ seien, seien sie von der Kunstfreiheit gedeckt.
Hintergrund der Kritik sind zwei Filmvorführungen, die am 30. und 31. März im Kino Babylon im Berliner Stadtteil Kreuzberg stattfinden sollen. Gezeigt werden soll der Film „Disunited Nations – Die Uno und der Nahe Osten“. Neben dem französischen Filmemacher Christophe Cotteret soll auch Francesca Albanese bei den Veranstaltungen anwesend sein. Die Sprecherin der Senatsverwaltung für Kultur teilte mit, eine Einflussnahme auf das Programm des Kinos sei nur möglich, wenn es sich „absehbar um klar verfassungsfeindliche Veranstaltungen“ handele. Der Senat fördert das Kino Babylon in diesem Jahr Berichten zufolge mit rund 580.000 Euro.
Gegenwind für die geplante Veranstaltung hatte es bereits vor einigen Tagen gegeben. Der israelische Botschafter Ron Prosor schrieb etwa auf X: „Es ist ein Skandal, dass Francesca Albanese in Berlin eine Bühne bekommen soll. Albaneses Positionen haben nichts mit legitimer Kritik zu tun – es ist politische Agitation, die antisemitische Narrative aus der Vergangenheit wieder aufwärmt.“
Der Geschäftsführer des Kino Babylon, Timothy Grossmann, erklärte dem „Tagesspiegel“ zum geplanten Auftritt von Albanese, Umfragen zeigten, dass zunehmend mehr Menschen in Deutschland eine kritischere Haltung der Bundesregierung gegenüber Israels Vorgehen im Gazastreifen erwarteten. Zu Vorwürfen gegen Albanese äußerte er sich nicht.
Albanese war in den vergangenen Monaten wiederholt mit drastischen Worten über Israel aufgefallen. Kritiker werfen ihr Voreingenommenheit und Antisemitismus vor. Unter anderem hatte sie in der Vergangenheit den Terrorismus der Hamas relativiert. Die US-Regierung hatte sie im Juli mit Sanktionen belegt. Sonderberichterstatter sind keine UN-Mitarbeiter im eigentlichen Sinn, sondern gelten als unabhängige Experten.
Erst kürzlich hatte Albanese während einer Online-Konferenz im Zusammenhang mit Israel von einem „gemeinsamen Feind“ gesprochen. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot bezeichnete Albanese daraufhin als politische Aktivistin, die mit ihrer Wortwahl sowohl der palästinensischen Sache als auch den Vereinten Nationen schade.
Außenminister Johann Wadephul forderte zusammen mit seinem französischen Amtskollegen den Rücktritt der Sonderberichterstatterin. Wadephul respektiere das System unabhängiger Berichterstatter der UN, hatte er in einem Social-Media-Statement erklärt. „Frau Albanese hat sich jedoch bereits in der Vergangenheit vielfach Ausfälle geleistet. Ich verurteile ihre jüngsten Aussagen über Israel. Sie ist in ihrer Position unhaltbar.“ Auch aus Italien wurden Rücktrittsforderungen laut.
nw
Source: welt.de