Dennoch hat sich das Unternehmen zuletzt an der Börse wieder prächtig entwickelt. Dies ist wohl vor allem damit zu erklären, dass Musk die Bedeutung des traditionellen Kerngeschäfts mit Elektroautos herunterspielt und stattdessen Teslas Aktivitäten rund um autonomes Fahren und humanoide Roboter hervorhebt. Damit steht das Unternehmen freilich noch am Anfang.
Teslas Aktienkurs sank zwar in den ersten Monaten 2025, aber in jüngster Zeit ging es wieder deutlich nach oben. Insgesamt gewann die Tesla-Aktie 2025 mehr als elf Prozent an Wert, und sie notiert derzeit in der Nähe ihres Allzeithochs. Der Börsenwert liegt bei 1,4 Billionen Dollar. Auch Musks persönlicher Reichtum ist erheblich angeschwollen, wozu neben den Kursgewinnen von Tesla auch eine höhere Bewertung seines Raumfahrtunternehmens SpaceX beigetragen hat.
„Forbes“ schätzt Musks Vermögen derzeit auf mehr als 725 Milliarden Dollar. Auf dem zweiten Platz in der Reichenliste folgt mit weitem Abstand Larry Page, einer der Gründer des Internetkonzerns Google, mit 257 Milliarden Dollar. Musk ist somit viel näher an der Billionenmarke als an der zweitreichsten Person.
Absatzminus von 16 Prozent
Wie Tesla am Freitag mitteilte, hat das Unternehmen im Schlussquartal rund 418.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Das war weniger als erwartet und entspricht einem Rückgang von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im Gesamtjahr fiel der Absatz um neun Prozent auf 1,6 Millionen Autos. Schon 2024 hatte es ein leichtes Minus gegeben. Tesla ist damit klar von BYD überholt worden. Der chinesische Hersteller teilte am Donnerstag mit, 2025 knapp 2,3 Millionen reine Elektroautos verkauft zu haben, er bietet daneben auch Hybridfahrzeuge an. BYD hat Tesla zuvor schon in einzelnen Quartalen hinter sich gelassen, im Gesamtjahr 2024 lag Tesla allerdings noch knapp vorne.
Das Geschäft von Tesla hatte sich nach einem schwachen ersten Halbjahr im dritten Quartal zwischenzeitlich erholt, in diesem Zeitraum stiegen die Verkaufszahlen wieder um sieben Prozent. Dies dürfte allerdings vor allem mit einem Sondereffekt zu erklären sein. Ende September wurden in den USA die zuvor gewährten Steuergutschriften von bis zu 7.500 Dollar beim Kauf von Elektroautos abgeschafft, insofern bestand vor Ablauf dieser Frist ein erheblicher Kaufanreiz. Allerdings wurde durch den Wegfall der Elektroprämie die Ausgangslage für das vierte Quartal um einiges schwieriger, und dies hat sich nun in den Verkaufszahlen bestätigt.
Tesla hat indessen auch außerhalb seines Heimatmarktes zu kämpfen. Nach letzten Zahlen des europäischen Autoherstellerverbandes Acea fiel die Zahl der Neuzulassungen von Tesla-Fahrzeugen in der EU im November um 34 Prozent, in den ersten elf Monaten lag das Minus bei 39 Prozent. Damit hat Tesla viel schlechter abgeschnitten als der Wettbewerb. Die Gesamtzahl der Neuzulassungen von Elektroautos in der EU stieg von Januar bis November um 28 Prozent.
Reizfigur Musk
Viele Beobachter haben die Rückgänge der Verkaufszahlen mit Musk persönlich in Verbindung gebracht, der mit seiner politischen Positionierung zu einer Reizfigur geworden ist. Er war zeitweise ein enger Berater des US-Präsidenten Donald Trump und hat mit der Arbeitsgruppe „Doge“ radikale Einschnitte in amerikanischen Behörden durchgesetzt. Dies löste eine Welle von Protesten vor Tesla-Geschäften aus. Musk ist zwar mittlerweile aus der Regierung ausgeschieden, fällt aber weiter mit kontroversen politischen Äußerungen auf.
Jenseits des Musk-Aspekts machen Analysten auch Teslas vergleichsweise veraltete Produktpalette für die Abschwächung des Geschäfts verantwortlich. Das letzte bedeutende neue Produkt für den Massenmarkt, das Model Y, kam vor fast sechs Jahren heraus. Der vor rund zwei Jahren eingeführte Pick-up-Transporter Cybertruck verkauft sich schlecht und gilt als Nischenmodell.
Musk versucht, den Blick der Öffentlichkeit auf Geschäfte zu lenken, die er als viel zukunftsträchtiger beschreibt als gewöhnliche Elektroautos. Im vergangenen Juni startete Tesla einen Test mit Robotaxis im texanischen Austin. Dies bewegt sich allerdings noch auf kleiner Flamme, zudem sind die Autos in den meisten Fällen noch nicht völlig autonom unterwegs und haben einen Sicherheitsfahrer an Bord. Außerdem gibt es mittlerweile einen Fahrdienst von Tesla im Großraum San Francisco, allerdings auch noch mit einer Person auf dem Fahrersitz.
Tesla kommt auf diesem Gebiet nicht annähernd so schnell voran wie von Musk versprochen. Im Juli hat Musk gesagt, bis Ende 2025 werde das Unternehmen mit seinen Robotaxis wahrscheinlich ein Gebiet abdecken, das die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung umfasst. Im Oktober stellte er in Aussicht, bis zum Jahresende mit den Robotaxis in acht bis zehn amerikanischen Ballungsräumen vertreten zu sein.
Börsenpläne von SpaceX
Auch für das neue Jahr hat Musk schon große Versprechungen gemacht. Tesla entwickelt ein Robotaxi namens „Cybercab“, das weder Lenkrad noch Pedale haben soll, und Musk zufolge soll dessen Serienproduktion 2026 beginnen. Auch die Produktion des humanoiden Roboters Optimus soll nach Angaben von Musk in diesem Jahr anlaufen.
Teslas Aktionäre stehen trotz aller Turbulenzen weiter hinter Musk. Im November billigten sie auf der Hauptversammlung mit großer Mehrheit ein noch nie da gewesenes Gehaltspaket für ihn. Es sieht vor, dass er beim Erreichen bestimmter Meilensteine eine Serie von Tranchen an Tesla-Aktien bekommt, deren Wert sich auf eine Billion Dollar addieren könnte. Sein gegenwärtiger Anteil an Tesla von rund zwölf Prozent könnte auf 25 Prozent steigen.
Neben Tesla wird SpaceX zu einer immer wichtigeren Quelle von Musks Reichtum. Er hält „Forbes“ zufolge einen Anteil von 42 Prozent an dem Unternehmen. Medienberichten zufolge will SpaceX in diesem Jahr an die Börse gehen und peilt dabei eine Bewertung von 1,5 Billionen Dollar an. Das wäre noch einmal ein deutlicher Anstieg gegenüber den 800 Milliarden Dollar, die zuletzt für außerbörsliche Transaktionen mit Aktien des Raumfahrtspezialisten im Gespräch waren. Musk hat die Börsenpläne indirekt bestätigt.