Das Schulbarometer zeigt, dass die gegenwärtige Debatte über ein Social-Media-Verbot mit viel medialem Getöse orchestriert ist, am eigentlichen Problem aber vorbeigeht: Die wichtigste Ursache für psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen sind prekäre Lebensverhältnisse, Armut und Stress in der Familie. Wer bedenkt, dass die Befragten die Pandemie und den Krieg in Europa und im Nahen Osten erleben und trotzdem zu 85 Prozent zufrieden sind und sich nicht belastet fühlen, wird den meisten eine robuste psychische Resilienz bescheinigen müssen.
Geradezu zynisch
Auch wenn die Zugänge zu den bedrückenden Nachrichten in den digitalen Geräten leichter sind, führt selbst ein Social-Media-Konsum von drei Stunden täglich nicht zu einer Beeinträchtigung des Wohlbefindens, ganz im Gegenteil. Bei einer süchtigen risikobehafteten Nutzung kippt das Wohlbefinden allerdings rasch.
Als geradezu zynisch erscheint es da, wenn eine Mehrheitsgesellschaft der Älteren, die den Luxus von siebzig Jahren Frieden erlebt haben, ausgerechnet jetzt die Honorare der Kinder- und Jugendpsychotherapeuten kürzt. Es ist allgemein bekannt, dass psychische Auffälligkeiten rasch und stetig behandelt werden müssen, um einen chronischen Verlauf zu verhindern, der im Zweifel deutlich teurer würde.
Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter können bei wirklich manifesten psychischen Problemen nur eine Lotsenfunktion übernehmen, nicht aber die Lösung sein.
Source: faz.net