Schüsse uff Lokal in Berlin – Dritter Vorfall innerhalb einer Woche

In Berlin-Neukölln spitzt sich eine Serie von Schusswaffenvorfällen weiter zu: Wieder wurden an einem Lokal in der Hermannstraße Einschusslöcher entdeckt. Verletzt wurde niemand, doch die Polizei reagiert mit verstärkten Ermittlungen.

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Erneut werden Schüsse auf ein Lokal in Berlin-Neukölln abgefeuert. Binnen einer Woche ist es der dritte Vorfall dieser Art. Aktueller Tatort ist wieder die Hermannstraße.

Polizisten stellten zwei Einschusslöcher in der Frontscheibe fest, wie es hieß. Erst am Wochenende schossen einige Meter weiter Unbekannte auf die Scheiben einer Gaststätte. Verletzt wurde beide Male niemand. Doch die Polizei ist alarmiert.

Wie schon in den meisten anderen Fällen in den vergangenen Monaten hat auch diesmal die Sondereinheit des Landeskriminalamtes (LKA) „Ferrum“ (lateinisch, übersetzt: „Eisen“) die Ermittlungen übernommen. Sie wurde nach zahlreichen Schießereien am 13. November 2025 eingerichtet. Die Staatsanwaltschaft zog mit der neuen Ermittlungsgruppe „Telum“ (lateinisch, übersetzt: Angriffswaffe) nach.

Man stelle fest, dass insbesondere im Zusammenhang mit Erpressungen Täter „vergleichsweise niedrigschwellig Schüsse auf Objekte wie Hausfassaden, Türen oder Fahrzeuge“ abfeuerten, so Polizeisprecher Jörn Iffländer. Dabei entstehe regelmäßig Sachschaden. „Gleichzeitig dienen diese Taten erkennbar dazu, eine Drohkulisse zu erzeugen, entsprechende Forderungen zu untermauern und zu demonstrieren, dass tatsächlich Zugriff auf Schusswaffen besteht und diese auch eingesetzt werden.“

Doch nicht alle Fälle ordnet die Polizei der organisierten Kriminalität zu: „Der illegale Schusswaffengebrauch kann aus sehr unterschiedlichen Konfliktlagen heraus entstehen“, betonte Sprecher Iffländer. Als Beispiele nannte er persönliche oder familiäre Konflikte, Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Gruppen sowie „Streitigkeiten infolge von Ehrverletzungen“ oder anderen persönlichen Gründen.

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Für die Polizei gilt es, die jeweiligen Hintergründe zu klären. Mehr als 60 Beamte ermitteln derzeit laut Behörde bei „Ferrum“. Weitere sollen hinzukommen. Nach Angaben des Sprechers soll die Einheit auf über 100 Kräfte wachsen. Einen konkreten Zeitpunkt nannte er dafür nicht. Die Anzahl variiere täglich und sei auch abhängig von geplanten Einsatzvorhaben. Mit Razzien in Bars und an Treffpunkten will die Polizei die organisierte Kriminalität unter Druck setzen.

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Knapp 5260 Menschen, 3010 Fahrzeuge und 819 Lokale wurden bislang (Stand: 26. März) überprüft, wie die Polizei auf Anfrage mitteilte. 27 Schusswaffen und 468 scharfe Munition seien sichergestellt worden.

Laut Polizei wurden seit Gründung von „Ferrum“ vor knapp einem halben Jahr rund 280 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es gab 71 Durchsuchungen und 22 Haftbefehle wurden erwirkt. Als einen Erfolg nennt die Behörde einen Einsatz am 21. Januar nach Schüssen auf einen 31-Jährigen in Berlin-Haselhorst, bei dem mehr als 300 Polizisten in der Hauptstadt 14 Wohnungen durchsuchten – und mehrere Verdächtige festgenommen wurden. Und am vergangenen Samstag wurden wenige Tage nach Schüssen auf einen 38-jährigen Mann in Schöneberg drei Verdächtige im hessischen Darmstadt festgenommen.

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Im aktuellen Fall von Neukölln lagen zu den Tätern zunächst keine Informationen vor. Zum Zeitpunkt der Schussabgaben gegen 4.40 Uhr sollen sich bis zu sechs Menschen in dem Lokal befunden haben, wie die Polizei mitteilte. Erst in der Nacht zuvor wurden zwei Männer in Moabit durch Schüsse und Stiche verletzt. Beide wurden vorläufig festgenommen. Nach Angaben der Polizei kam es zu einem Streit zwischen mindestens zwei Personen in einer Shisha-Bar. Auch in diesem Fall übernahm „Ferrum“ die Ermittlungen.

Nach der polizeilichen Kriminalstatistik hat der Gebrauch von Schusswaffen in Berlin stark zugenommen. 2025 erfasste die Polizei 68 Prozent mehr Straftaten als 2024, bei denen mit Waffen gedroht oder geschossen wurde. Insgesamt wurden laut Statistik 1119 Fälle registriert, etwas mehr als die Hälfte waren Drohungen, in 515 Fällen wurde geschossen.

dpa/nw

Source: welt.de

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