Nur vier Tage nach einem Angriff in einem Zug ist ein 43-Jähriger wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Mann hatte einen Zugbegleiter auf der Strecke von Kiel nach Hamburg verletzt. Der Vorfall reiht sich in eine Serie schwerer Gewalttaten gegen Bahnmitarbeiter.
Nur vier Tage nach einem Angriff auf einen Zugbegleiter hat das Amtsgericht Neumünster einen Mann wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Der 43-Jährige hatte einen Zugbegleiter am Sonntag gegen 10.15 Uhr auf der Fahrt von Kiel nach Hamburg durch einen Kniff und mehrere Tritte verletzt, wie Bundespolizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Das Urteil des Amtsgerichts vom Donnerstag ist noch nicht rechtskräftig. Aufgrund von Fluchtgefahr wurde der Mann aber in ein Gefängnis gebracht.
Der Vorfall im RE11265 passierte im Rahmen einer Fahrkartenkontrolle. Der Mann legte den Angaben zufolge keine Fahrkarte vor und versuchte stattdessen, sich in Richtung einer Tür zu entfernen, als sich der Zug dem Bahnhof Neumünster näherte. Der Zugbegleiter stellte sich dem Fahrgast jedoch in den Weg und es kam zu einer Rangelei.
Erst mit Hilfe eines weiteren Menschen gelang es dem Zugbegleiter, den 43-Jährigen am Boden zu fixieren. Bundespolizisten nahmen ihn kurze Zeit später fest. Bei der Überprüfung seiner Personalien stellten sie fest, dass der Mann bereits im Juli eine Zugbegleiterin angegriffen haben soll. Verschiedene Staatsanwaltschaften haben ihn zudem zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben.
In den vergangenen Wochen hatten gleich mehrere überaus gewalttätige Angriffe auf Bahnmitarbeiter und Zugpersonal bundesweit Entsetzen ausgelöst. Politikerinnen und Gewerkschaften reagierten mit Forderungen nach besseren Schutzmaßnahmen für Zugpersonal; die Deutsche Bahn lud zu einem Sicherheitsgipfel ein und Bahn- und Verkehrsgewerkschaften riefen zu Schweigeminuten auf.
Bahnmitarbeiter Serkan C. getötet
Anfang Februar 2026 kam es im Regionalexpress zwischen Landstuhl und Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) zu einem schweren Angriff auf einen Zugbegleiter der Deutsche Bahn: Der 36-jährige Bahnmitarbeiter Serkan C. kontrollierte am Montagabend die Fahrscheine von Fahrgästen, als ein 26-jähriger Passagier keinen gültigen Fahrschein vorzeigen konnte und aus dem Zug gewiesen werden sollte. Der Mann griff den Zugbegleiter nach Angaben der Polizei mit mehreren Faustschlägen gegen den Kopf an, während der Zug gerade den Bahnhof Landstuhl verlassen hatte.
Erste Hilfe leistende Fahrgäste versuchten, den schwer Verletzten zu reanimieren, bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde. Laut Staatsanwaltschaft erlitt der Mitarbeiter durch stumpfe Gewalteinwirkung eine Hirnblutung und starb später an seinen Verletzungen. Der mutmaßliche Täter, ein griechischer Staatsbürger ohne festen Wohnsitz in Deutschland, wurde noch am Tatort festgenommen und sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft.
Schwere Gewalttat am Bahnhof Dammtor
Kurz darauf kam es im Bereich des Bahnhofs Hamburg Dammtor zu einer schweren Gewalttat. Nach Angaben der Bundespolizeiinspektion Hamburg soll ein 43 Jahre alter Mann einen Mitarbeiter der Deutschen Bahn am Bahnsteig zu Gleis 3 mit Faustschlägen und Fußtritten attackiert und erheblich verletzt haben.
Der angegriffene Bahnmitarbeiter, 49 Jahre alt und in der Bahnsteigaufsicht tätig, befand sich demnach im örtlichen Dienstraum der DB, als der Tatverdächtige diesen unerlaubt betreten haben soll. Nach ersten Erkenntnissen wollte sich der Mann dort aufwärmen. Als ihm von den anwesenden Bahnmitarbeitern mitgeteilt wurde, dass der Raum nicht öffentlich zugänglich sei, eskalierte die Situation umgehend.
Laut Bundespolizei reagierte der Mann sofort aggressiv, beleidigte den Mitarbeiter und schlug mehrfach auf ihn ein. Dabei trafen die Schläge vor allem den Oberkörper und den Kopf. Der Geschädigte ging zu Boden, wo der Angreifer ihn weiterhin mit mehreren Tritten – ebenfalls gegen den Kopf – attackiert haben soll.
Ein weiterer Bahnmitarbeiter im Alter von 65 Jahren eilte seinem Kollegen zu Hilfe. Doch auch er wurde Opfer der Gewalt: Der Tatverdächtige soll ihn unmittelbar in den sogenannten Schwitzkasten genommen und festgehalten haben. Erst das Eingreifen eines privat am Bahnsteig anwesenden Polizeibeamten der Landespolizei konnte die Angriffe stoppen. Der Beamte fixierte den Mann bis zum Eintreffen weiterer Einsatzkräfte.
dfe, dpa
Source: welt.de