„Schmiergelder“ für LebensstilPutin-Geliebte soll Millionen aus Palastbau kassiert haben
27.02.2026, 19:10 Uhr
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Um „Putins Palast“ in Südrussland ranken sich einige Gerüchte. Laut den Enthüllungen von Alexei Nawalnys Antikorruptions-Team soll es ein luxuriöses Anwesen sein. Auch die mutmaßliche Geliebte des Kremlchefs soll von den dafür eingeplanten Geldern profitiert haben.
Die frühere Sportgymnastin Alina Kabajewa und angeblich langjährige Geliebte des Kremlchefs Wladimir Putin soll einem Medienbericht zufolge Milliarden Rubel an übrig gebliebenen Baugeldern erhalten haben, die eigentlich für den Bau Putins Villa am Schwarzen Meer geplant waren. Das berichtet das russische Internetportal Meduza unter Berufung auf eine Untersuchung der Anti-Korruptionsstiftung (FBK) des getöteten russischen Oppositionellen Alexei Nawalny. Demnach wurde ein Überschuss von 6,5 Milliarden Rubel (heute etwa rund 71 Mio. Euro) an sie überwiesen.
Gerüchte über eine Romanze zwischen Putin und Kabajewa kamen bereits 2008 auf, einige Jahre vor der Scheidung des russischen Präsidenten von seiner Frau. Kabajewa soll die Mutter von Putins zwei mutmaßlichen Söhnen sein, die 2015 und 2019 geboren worden sein sollen. Weder Putin noch Kabajewa haben ihre Beziehung jedoch jemals öffentlich bestätigt. Kabajewa gewann in der Rhythmischen Sportgymnastik zwischen 1999 und 2007 neun Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften. Im Sommer 2004 krönte sie sich in Athen zur Olympiasiegerin. Kabajewa steht auf der Sanktionsliste des US-Finanzministeriums.
Das luxuriöse Anwesen, bekannt als „Putins Palast“, liegt in der Nähe des Kurorts Gelendschik in der südrussischen Region Krasnodar. Seine Existenz wurde 2021 von Nawalny und seinem Antikorruptions-Team enthüllt. Putin und sein Kremlsprecher Dmitri Peskow haben jedoch wiederholt bestritten, dass die Villa dem Präsidenten gehört.
Offiziell gehört das Anwesen der Firma Investitsionnye Reshenia („Investitionslösungen“), die laut Meduza über ein Geflecht von Briefkastenfirmen agiert. Zu ihren Anteilseignern zählen demnach drei von Putins ältesten Vertrauten: der Anwalt Nikolai Jegorow, der Geschäftsmann Ilham Rachimow und sein ehemaliger Schulfreund Viktor Chmarin. Bankunterlagen, die der FBK vorliegen, sollen belegen, dass die Firma Kredite von Offshore-Gesellschaften auf den Britischen Jungferninseln erhielt und das Geld weiterleitete, um den Bau der Residenz zu finanzieren.
Spenden an Alina-Kabajewa-Stiftung
Nach Abschluss des Projekts im Jahr 2023 verfügte Investitsionnye Reshenia dem Bericht zufolge über einen Überschuss von 6,5 Milliarden Rubel. Knapp die Hälfte davon sei von dem Unternehmen an die Alina-Kabajewa-Stiftung gespendet worden. Jedoch soll davon laut FBK nur ein Bruchteil wirklich an die Stiftung geflossen sein, etwa zehn Millionen Rubel. Der Großteil des Geldes sei indes auf einem verzinsten Festgeldkonto angelegt worden, heißt es.
Die verbleibenden 3,5 Milliarden Rubel (rund 38 Mio. Euro) seien an Kabajewas gemeinnützige Organisation für rhythmische Sportgymnastik „Nebsnaja Gratsija“ („Himmlische Gnade“) gelossen. Aus den Ausgabenberichten der Stiftung gehe hervor, dass mehr als 30 Millionen Rubel (rund 329.000 Euro) bei der Kaiserlichen Peterhof-Fabrik ausgegeben wurden, einem Luxusuhrenhersteller, der bei Putin beliebt sei. Der russische Despot soll mindestens zwei Modelle des Herstellers besitzen.
„Schmiergelder“ für Putins engsten Kreis
Mit den Geldern seien auch Turnlager in Waldai finanziert worden, die nur etwa 1,5 Kilometer von Putins Privatresidenz in der russischen Region Nowgorod entfernt stattfanden. Laut FBK dienen diese Lager einem versteckten Zweck: Sie sollten Putins und Kabajewas Kindern, die angeblich in Waldai nahezu völlig isoliert leben, die Möglichkeit geben, mit Gleichaltrigen in Kontakt zu treten. Die Untersuchung verweist auf ein Video, in dem ein Junge, den die FBK als Putins Sohn Iwan identifiziert hat, sagt, dass ihm die Trainingseinheiten Spaß gemacht haben.
Der Großteil der Gelder, die an „Nebsnaja Gratsija“ flossen, seien auf einem verzinsten Festgeldkonto angelegt worden. Laut den Ermittlungen erwirtschaftete die Stiftung allein im Jahr 2024 Zinsen in Höhe von 435 Millionen Rubel (rund 4,7 Mio. Euro). Die FBK kommt laut Meduza zu dem Schluss, dass es sich bei Kabajewas Stiftungen schlicht um „Schmiergelder“ handelt, die von Putins engstem Kreis genutzt werden, um den Lebensstil und die Hobbys seiner Familie „unter dem Deckmantel der Philanthropie“ zu finanzieren.
Source: n-tv.de