Pharmaunternehmen haben es derzeit alles andere als einfach. Die Zollpolitik der amerikanischen Regierung sorgt für allerhand Verwerfungen. Darüber hinaus sind Präsident Donald Trump die besonders hohen Gesundheitskosten in den Vereinigten Staaten ein Dorn im Auge. Mithilfe von etwas Druck konnte er den Branchenvertretern nun allerlei Rabatte abringen.
Beispielsweise erkauft sich Johnson & Johnson mit dem Bau von zwei weiteren Produktionsstätten in den Bundesstaaten North Carolina und Pennsylvania Ausnahmen von den Zöllen und das Wohlwollen des Präsidenten. Zudem hat sich das Unternehmen dazu bereit erklärt, die Preise für bestimmte, noch genauer zu bestimmende Medikamente zu senken. Ziel ist eine Anpassung an die niedrigeren Preise in anderen Industrieländern.
Die Effekte der Vereinbarung zur Arzneimittelpreisgestaltung zeigten sich laut Unternehmensangaben bereits in Form einer Belastung von „Hunderten Millionen Dollar“ in den jüngsten Managementzielen. Trotzdem konnte Johnson & Johnson alles in allem überzeugende Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 sowie eine über den Erwartungen des Marktes liegende Prognose für 2026 abliefern.
Überraschend starke Geschäftszahlen
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag zwischen Oktober und Dezember 2025 mit 2,46 Dollar knapp über den Konsensschätzungen von 2,44 Dollar. Auch die konzernweiten Umsatzerlöse lagen mit 24,5 Milliarden Dollar über den Erwartungen. Überzeugend fällt zudem die Erlösschätzung für 2026 aus. Hier rechnet das Management mit 99,5 bis 100,5 Milliarden Dollar gegenüber den vorherigen Konsensschätzungen von 98,9 Milliarden Dollar. Den bereinigten Gewinn je Aktie sieht das Management für das angelaufene Geschäftsjahr 2026 bei 11,43 bis 11,63 Dollar. Hier hatten Analysten zuvor im Schnitt einen Wert von 11,45 Dollar angepeilt.
Die Ergebnisse und die Prognosen wurden am Markt positiv aufgenommen. So konnte der Aktienkurs von Johnson & Johnson seit Anfang 2026 Kurszuwächse von knapp 20 Prozent verzeichnen. Zudem kletterte das Papier diese Woche auf Rekordstände, was angesichts der schwierigen Marktlage alles andere als selbstverständlich ist. Allerdings ist Johnson & Johnson als Pharmaunternehmen den sogenannten defensiven Werten zuzuordnen, die sich gerade in turbulenten Börsenphasen als relativ robust erweisen. Darüber hinaus punktet Johnson & Johnson derzeit im Vergleich zu vielen Wettbewerbern mit einer prall gefüllten Wirkstoffpipeline.
Patentverluste und neue Wachstumstreiber
Pharmaunternehmen haben ständig damit zu kämpfen, dass Patente großer Gewinnbringer auslaufen. Bei Johnson & Johnson ist dies nicht anders. Dort kämpft aktuell das umsatzstarke Schuppenflechte-Medikament Stelara mit zunehmender Konkurrenz durch Biosimilars. Die Umsätze mit Stelara gingen zuletzt sogar stärker zurück als von Analysten prognostiziert.
Das restliche Portfolio entwickelte sich dagegen umso besser. CFO Joseph Wolk sagte gegenüber CNBC: „Ist es nicht bemerkenswert, dass Stelara so stark zurückgegangen ist – vielleicht sogar stärker, als Analysten erwartet hatten – und wir trotzdem weiter wachsen? Wenn man Stelara aus dieser Gleichung herausnimmt, wächst dieses Portfolio um 14, 15 Prozent. Auf diese Produkte werden wir uns in den kommenden Jahren und für den Rest dieses Jahrzehnts stützen.“
Im Zuge des Berichts zum Schlussquartal 2025 sprach CEO Joaquin Duato sogar davon, dass 2025 „ein Katapultjahr für Johnson & Johnson“ gewesen sei, „angetrieben durch das stärkste Portfolio und die stärkste Pipeline in unserer Geschichte“. „Im vergangenen Jahr begann eine neue Ära beschleunigten Wachstums, angetrieben durch medizinische Innovationen, die das Leben in unseren sechs Kerngeschäftsbereichen verändern: Onkologie, Immunologie, Neurowissenschaften, Herz-Kreislauf, Chirurgie und Augenheilkunde. In jedem dieser wichtigen Bereiche baut sich unsere Führungsposition dank bahnbrechender Wissenschaft und Technologie weiter aus“, so Duato weiter.
Analysten sehen weiteres Potential
Daher ist es auch wenig verwunderlich, dass Analysten Johnson & Johnson in Zukunft einiges zutrauen. Der Morgan-Stanley-Analyst Terence Flynn hatte Johnson & Johnson nach Bekanntgabe der Ergebnisse von „Equal Weight“ auf „Overweight“ hochgestuft und das Kursziel von 200,00 auf 262,00 Dollar angehoben. Der Experte begründete die Hochstufung mit höheren Schätzungen aufgrund neuer Produkte des Unternehmens sowie mit einem höheren Bewertungsmultiplikator. Johnson & Johnson sei auf dem Weg zu Gewinnsteigerungen aus einer Reihe neuer Produktzyklen. Der Experte sagt, dass das Unternehmen eines der robustesten Angebote an neuen Produktzyklen im Bereich Biopharma biete. Die Schätzungen für Tremfya, Icotyde, Tecvayli und Darzalex würden angehoben.
Der Goldman-Sachs-Analyst Asad Haider hatte seinerseits das Kursziel für Johnson & Johnson von 240,00 auf 250,00 Dollar angehoben und seine „Buy“-Einschätzung für die Aktie des Pharmakonzerns beibehalten. Die Voraussetzungen für ein weiteres starkes Jahr seien gut, da die Bereiche Innovative Medicine und Med Tech weiterhin eine positive Dynamik aufweisen würden. Beide Bereiche verzeichneten im vierten Quartal eine über den Erwartungen liegende Entwicklung und profitierten laut Haider von günstigen Rahmenbedingungen für 2026, da sich mehrere neue Produktzyklen weiter entfalteten.
Auch Jason Gerberry, Analyst bei der Bank of America, erhöhte seine Umsatzprognosen für den Pharmakonzern für das laufende Jahr, um den aktualisierten Einschätzungen zu bestimmten, kurz vor der Markteinführung stehenden Pipeline-Produkten – insbesondere Tecvayli und Inlexzo – sowie den seiner Meinung nach positiven Auswirkungen der starken Tecvayli-Daten auf die Behandlungsdauer mit Darzalex Rechnung zu tragen.
Beeindruckende Kursentwicklung
Johnson & Johnson ist ein schönes Beispiel für solide, verlässliche Wertentwicklung. In den vergangenen zehn Jahren legte der Aktienkurs im Schnitt mehr als sieben Prozent pro Jahr zu. Aus einem Investment von 10.000 Euro wären innerhalb einer Dekade knapp 22.000 Euro geworden. Der Pharmakonzern liefert damit genau das, was konservative Anleger suchen: stetige Rendite bei überschaubarer Volatilität.
Die aktuelle charttechnische Lage unterstreicht diese Stärke eindrucksvoll. Anfang März erreichte die Johnson-&-Johnson-Aktie bei 212,00 Euro ein neues Allzeithoch. Seit Juli 2025 befindet sich das Papier im langfristigen Aufwärtstrend und hat in diesem Zeitraum bereits fast 50 Prozent an Wert gewonnen. Der Abstand zur 200-Tage-Linie beträgt aktuell 30,32 Prozent – ein Wert, der auf eine intakte Aufwärtsdynamik hindeutet, gleichzeitig aber auch eine gewisse Überhitzung signalisiert.
Source: faz.net