Scheindemokratie des MilitärsEx-Junta-Chef wird Präsident in Myanmar
03.04.2026, 10:52 Uhr
Im Februar 2021 putscht sich die Armee in Myanmar an die Macht. Der Oberbefehlshaber Min Aung Hlaing übernimmt die Kontrolle. Nach umstrittenen Wahlen weitet er seine Autorität nun aus.
In Myanmar hat das Parlament den seit Jahren faktisch regierenden ehemaligen Juntachef Min Aung Hlaing zum Präsidenten des südostasiatischen Landes bestimmt. Der 69-Jährige hatte erst am Montag sein Amt als Oberbefehlshaber der Streitkräfte niedergelegt, um bei der Parlamentsabstimmung als Präsident zu kandidieren.
Vor rund fünf Jahren hatte das Militär unter seiner Führung die demokratisch gewählte Regierung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gestürzt. Seitdem wird Myanmar von einem Bürgerkrieg erschüttert, in dem bisher fast 93.000 Menschen getötet und mehr als 3,6 Millionen weitere vertrieben wurden.
Erst am Montag hatte Min Aung Hlaing das militärische Kommando an den bisherigen Geheimdienstchef Ye Win Oo übergeben. Dieser gilt als sein enger Vertrauter. Der Aufstieg des bisherigen Armeechefs zum Präsidenten folgt auf umstrittene Wahlen im Dezember und Januar, die von Oppositionellen massiv kritisiert wurden. Die juntanahe Partei USDP erhielt dabei eine Mehrheit von mehr als 80 Prozent der Sitze.
Deckmantel der Scheindemokratie
Die Vereinten Nationen und zahlreiche westliche Staaten hatten die erste Abstimmung seit dem Militärputsch von 2021 als Farce verurteilt, mit der die Militärherrschaft unter dem Deckmantel einer Scheindemokratie fortgesetzt werden solle.
Mit den Stimmen der USDP-Abgeordneten sowie der per Quote im Parlament vertretenen Militärs erhielt Min Aung Hlaing am Freitag leicht die notwendigen Stimmen für das Präsidentenamt. Für Min Aung Hlaing, der die Streitkräfte 15 Jahre lang befehligte, war die politische Staatsspitze ein lang gehegtes Ziel. Analysten zufolge handelt es sich dabei lediglich um einen Wechsel von der Herrschaft als Militärführer zur Herrschaft als Präsident.
Source: n-tv.de