Schattenflotte in welcher Ostsee: Auf den Schiffen verkehren nun zwei russische Militärs mit

Russland setzt zunehmend frühere Soldaten und Söldner auf Schiffen der sogenannten Schattenflotte ein, um die Besatzung zu überwachen und seinen Erdölexport durch die Ostsee vor dem Zugriff durch westliche Ostseeanrainer zu schützen. Das berichtet die finnische Zeitung „Helsingin Sanomat“ unter Berufung auf den finnischen Geheimdienst sowie auf Besatzungslisten sowie auf Angaben von Besatzungsmitgliedern von Schiffen der „Schattenflotte“.

Demnach fuhren auf vielen der von der Zeitung untersuchten Schiffe meist zwei Personen mit, die keine Seeleute waren, sondern einen militärischen Hintergrund hatten – etwa beim Militär, dem Militärgeheimdienst GRU oder der früheren Söldnertruppe Wagner. Mehrere davon waren zuvor in Syrien und der Ukraine gewesen. Ihr Einsatz auf den Schiffen erfolgte nach Beginn der NATO-Mission Baltic Sentry vor rund einem Jahr, mit der die Unterwasserin­frastruktur geschützt werden soll gegen Attacken durch die „Schattenflotte“.

Die Sanktionen zeigen kaum Wirkung

Vom finnischen Inlandsgeheimdienst Supo heißt es in dem Bericht, der Einsatz der Personen diene dazu, sicherzustellen, dass Kapitäne und Besatzungsmitglieder (die in der Regel keine Russen sind) im Sinne des Kremls handelten. Finnlands Grenzschutz war es nach einem Kabelbruch Ende 2024 gelungen, das verantwortliche Schiff, die Eagle S, festzusetzen. Das ging nur, weil die Besatzung des Schiffes kooperierte und finnische Hoheitsgewässer ansteuerte. Wäre das Schiff in internationalen Gewässern geblieben, hätte Finnland es passieren lassen müssen. Dort macht das Seerecht ein Festsetzen etwa nach Kabelzerstörungen unmöglich. Russische Militärs an Bord könnten dazu dienen, Kooperationen mit den Behörden zu verhindern. Außerdem könnten sie eine Verbindungsstelle der Streitkräfte zu den Schiffen sein.

Laut finnischen und schwedischen Fachleuten besteht Russlands „Schattenflotte“ aus rund 1000 Schiffen. Das sind häufig alte und marode Tanker, die unter der Flagge von Kleinststaaten fahren. So umgeht Russland den Ölpreisdeckel. Von diesen Schiffen sind laut Fachleuten stets mindestens fünf große in der Ostsee unterwegs. Viele sind nur unzureichend, manche auch gar nicht versichert. In der Region ist die Sorge vor einer Umweltkatastrophe groß.

Russland setze die militärisch geprägten „Sicherheitsgruppen“ auf den Schiffen wohl auch als Abschreckungsmaßnahme ein, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf Mitarbeiter westlicher Geheimdienste. So werde für Maßnahmen westlicher Behörden die Hemmschwelle erhöht. „Zwei möglicherweise bewaffnete Personen verändern definitiv unsere Risikoberechnung, wenn wir entscheiden müssen, ob wir einen Tanker stoppen oder beschlagnahmen sollen“, wird ein Geheimdienstmitarbeiter zitiert.

Source: faz.net