Wegen der iranischen Blockade der Straße von Hormus suchen Saudi-Arabien und Irak nach alternativen Exportwegen. Doch Kapazitäten sind begrenzt und der militärische Arm des Iran ist lang.
Am Morgen meldeten die Behörden in Saudi-Arabien einen Angriff auf eine Ölraffinerie. Das ist zwar fast schon Alltag in diesem Krieg, aber die Samref-Raffinerie liegt nicht am Persischen Golf, sondern im Westen Saudi-Arabiens an der Küste des Roten Meeres.
Der Angriff auf die Hafenstadt Yanbu sei eine gezielte Botschaft der Iraner, sagt der Analyst Nedal Abu Zeid im Sender Al Jazeera: „Iran will der weltweiten Energieversorgung den Hahn abdrehen. Es geht dem Land nicht mehr nur um Auswirkungen in der Region – sondern vielmehr darum, die Kosten für die ganze Welt zu steigern.“
Die Raffinerie am Roten Meer wurde nach saudischen Angaben nur leicht beschädigt, die Arbeit am nahe gelegenen Exportterminal konnte nach einigen Stunden wieder aufgenommen werden.
Mit dem Angriff auf die Samref-Raffiniere beweist Iran die große Reichweite seiner Waffensysteme.
Rotes Meer statt Persischer Golf
Wegen der anhaltenden iranischen Angriffe fällt der Ölexport über die Straße von Hormus so gut wie flach. Saudi-Arabien, der größte Ölexporteur weltweit, setzt daher zunehmend auf andere Handelswege. Das Öl, das im Osten des Landes gefördert wird, wird über Pipelines nach Yanbu geleitet und von dort aus auf Schiffe in Richtung Asien verladen.
„Um die Abhängigkeit von der Straße von Hormus zu verringern, wird die Suche nach alternativen Handelswegen und Pipelines in der kommenden Zeit noch an Bedeutung gewinnen“, ist der Politikwissenschaftler Hossam Jaber überzeugt.
Kein vollständiger Ersatz
Allerdings sind die Kapazitäten der bestehenden Pipelines begrenzt – ebenso wie die der Häfen, die nicht am Persischen Golf liegen. In Yanbu wurden zuletzt fast vier Millionen Barrel pro Tag verladen, das ist ein deutlicher Anstieg. Allerdings exportierte allein Saudi-Arabien über die Häfen am Persischen Golf sonst täglich rund sechs Millionen Barrel.
Die Route über das Rote Meer ist teurer und sie birgt auch eigene Risiken. Neben Angriffen aus Iran könnte auch die mit dem Regime in Teheran verbündete Huthi-Miliz wieder damit beginnen, Öltanker und andere zivile Handelsschiffe vor der jemenitischen Küste zu beschießen.
Noch haben die Huthi nicht in den Krieg eingegriffen. Beobachter sagen, weil sie entweder nicht selbst in die Schusslinie geraten wollen oder, weil sie den richtigen Zeitpunkt abwarten.
Irak setzt auf Türkei-Pipeline und Lkw
Auch der Irak setzt auf alternative Exportrouten für sein Erdöl. Der Ölminister des Landes sagt, man habe begonnen, Öl aus Kirkuk über eine Pipeline in Richtung Türkei zu pumpen. Zunächst etwa 170.000 Barrel pro Tag, dies solle auf etwa die doppelte Menge gesteigert werden. Über die Nutzung der Pipeline hatte es lange Streit zwischen der irakischen Zentralregierung in Bagdad und der kurdischen Regionalregierung in Erbil gegeben – auf Druck der USA haben nun beide Seiten einen Kompromiss gefunden.
Normalerweise exportiert der Irak rund 3,5 Millionen Barrel Erdöl pro Tag. Dies geschieht vor allem über den Hafen von Basra im Süden des Landes. Jetzt peilt die Regierung rund 1,2 Millionen Barrel pro Tag an. Über die Pipeline von Kirkuk in die türkische Hafenstadt Ceyhan sowie mit Hunderten Tanklastern, die über die Straße in die Nachbarländer Jordanien und Türkei fahren.
„Auch wenn die aktuellen Exportmenge die Verluste im Süden nicht kompensieren kann, ist der finanzielle Ertrag durchaus beträchtlich, dank der hohen Ölpreise,“ sagt Nizar Ali von der staatlichen irakischen Ölvermarktungsgesellschaft.
Die alternativen Handelswege werden den Anstieg des Ölpreises vermutlich nicht stoppen können – möglicherweise aber ein bisschen abbremsen.
Source: tagesschau.de