So viel Tempo gab es in der japanischen Politik lange nicht. Gerade drei Monate im Amt, löste Premierministerin Sanae Takaichi Ende voriger Woche das Unterhaus in Tokio auf und rief zum 8. Februar Neuwahlen aus. Der Zeitpunkt dafür scheint günstig für sie zu sein. In Umfragen steht die Regierungschefin glänzend da: 76 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit ihres Kabinetts einverstanden – eine Zustimmung, von der die behäbigen Herren, die ihr im Amt vorangingen, nur träumen konnten.
Jetzt will die erste Frau an der Spitze einer japanischen Regierung die eigene Popularität auf ihre Partei übertragen. Sie möchte sich ein Mandat beschaffen, das auf dem Willen des Volkes beruht, nicht nur auf dem Willen der Parteioberen, die sie im Oktober auf ihren Posten hoben. „Können Sie mir die Leitung Japans anvertrauen? Ich will, dass das japanische Volk darüber eine Entscheidung trifft.“ So begründete Takaichi ihren Wunsch nach Neuwahlen.