Saluschnyj schildert tiefe Kluft: Gegenoffensive 2023: Kiews Ex-Armeechef kritisiert Selenskyj

Saluschnyj schildert tiefe KluftGegenoffensive 2023: Kiews Ex-Armeechef kritisiert Selenskyj

19.02.2026, 23:36 Uhr

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Selenskyj zusammen mit Salischnyj im Juli 2023. (Foto: IMAGO/ZUMA Wire)

In einem Interview spricht der ukrainische Ex-Armeechef Saluschnyj offen über Konflikte mit Präsident Selenskyj. Er berichtet von einer Razzia in seinem Büro und gravierenden Differenzen während der Vorbereitungen für die letztlich gescheiterte Gegenoffensive 2023.

Der ehemalige ukrainische Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj hat in einem Interview mit der US-Nachrichtenagentur AP über die tiefe Kluft zwischen ihm und Präsident Wolodymyr Selenskyj gesprochen. Demnach begannen die Spannungen bereits kurz nach Beginn der russischen Großinvasion in der Ukraine im Februar 2022. Es habe wiederholt hitzige Diskussionen über die strategische Ausrichtung der Verteidigung gegeben, sagte der derzeitige ukrainische Botschafter in London.

Einen Höhepunkt habe der Konflikt erreicht, als im selben Jahr Dutzende Agenten des Inlandsgeheimdienstes SBU sein Büro durchsucht hätten. Saluschnyj bezeichnete den bislang nicht öffentlich bekannten Vorfall als Einschüchterungsversuch. Er habe die Mitarbeiter des Geheimdienstes daran gehindert, Dokumente und Computer zu durchsuchen.

„Die Razzia war eindeutig eine Drohung“, sagte Saluschnyj der AP. In Anwesenheit der Agenten habe er Selenskyjs damaligen Stabschef, Andrij Jermak, angerufen und gewarnt, notfalls das Militär einzusetzen, um den Einsatz zu stoppen. „Ich sagte Jermak, dass ich diesen Angriff abwehren werde, denn ich weiß, wie man kämpft.“

Der SBU erklärte auf Nachfrage der AP, dass man damals mehrere Orte mit Bezug zur organisierten Kriminalität durchsucht habe. Um Saluschnyj sei es nicht gegangen. Demnach habe im Büro von Saluschnyj keine Razzia stattgefunden. Die Situation sei durch ein Telefonat mit dem damaligen SBU-Chef, Wassyl Maljuk, und Saluschnyj geklärt worden.

Meinungsverschiedenheiten habe es auch über die ukrainische Gegenoffensive im Sommer 2023 gegeben, die letztlich scheiterte. Saluschnyj sagte, der Plan, den er mit Unterstützung von Nato-Partnern ausgearbeitet habe, sei gescheitert, weil Selenskyj und andere Beamte die dafür notwendigen Ressourcen nicht bereitgestellt hätten.

Der ursprüngliche Plan habe vorgesehen, ausreichend Truppen zu bündeln, um die teilweise besetzte Region Saporischschja zu befreien und anschließend nach Süden zum Asowschen Meer vorzurücken. Für den Erfolg seien ein massiver Truppenaufmarsch und ein taktischer Überraschungseffekt notwendig gewesen, so Saluschnyj. Stattdessen seien die Kräfte über ein weites Gebiet verteilt worden, was die Schlagkraft geschwächt habe.

Saluschnyjs Darstellung über die Abweichungen vom ursprünglichen Plan wurde von zwei westlichen Verteidigungsbeamten gegenüber der AP bestätigt.

Er verfolge die Entwicklungen in der Ukraine weiterhin aufmerksam, sagte Saluschnyj. Seit seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst sei er jedoch nicht mehr in operative Entscheidungen eingebunden. Bei seinen beiden Treffen mit Selenskyj habe es ausschließlich „freundschaftliche Gespräche“ gegeben.

Saluschnyj war von Juli 2021 bis Februar 2024 Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte. Seit Mai 2024 ist er Botschafter der Ukraine in Großbritannien. Umfragen bescheinigen ihm gute Chancen, nach der Aufhebung des Kriegsrechts bei einer Präsidentschaftswahl Selenskyj zu schlagen.

Quelle: ntv.de, jpe

Source: n-tv.de