Nach Angaben des serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić sind zwei Rucksäcke mit Sprengstoff in der Nähe einer nach Ungarn führenden Gaspipeline gefunden worden. Die Rucksäcke, die „zwei große Pakete Sprengstoff mit Zündern“ enthielten, seien von der Polizei und Armee entdeckt worden, erklärte Vučić. Der ungarische Oppositionspolitiker Péter Magyar sprach von einer mutmaßlichen „Aktion unter falscher Flagge“ kurz vor der ungarischen Parlamentswahl.
Vučić erklärte, die Rucksäcke seien „wenige Hundert Meter von der Gaspipeline entfernt“ in der nordserbischen Stadt Kanjiža gefunden worden. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán richtet den Verdacht auf die Ukraine. Er und sein Außenminister ließen nach einer Sondersitzung des nationalen Verteidigungsrats in Budapest durchblicken, dass sie die Ukraine verdächtigten, einen Sabotageakt an dieser Pipeline geplant zu haben.
Opposition zeigt sich skeptisch
Die ungarische Opposition hatte Orbán dagegen bereits zuvor Panikmache aus wahlkampftaktischen Gründen vorgeworfen. Vučić ist ein Verbündeter des Rechtspopulisten Orbán, dessen Partei Fidesz in Umfragen vor der Wahl am 12. April deutlich hinter der Tisza-Partei von Magyar liegt. Nach 16 Jahren könnte Orbán damit aus dem Amt gedrängt werden.
Magyar zeigte sich im Onlinedienst X skeptisch angesichts des mutmaßlichen Funds. „Seit Wochen erhalten wir aus mehreren Quellen Warnungen, dass Orbán – angeblich mit serbischer und russischer Unterstützung – planen könnte, eine weitere Grenze zu überschreiten.“ Es habe Andeutungen gegeben, „dass über Ostern in Serbien möglicherweise ‚zufällig‘ etwas passieren könnte, möglicherweise unter Beteiligung einer Gaspipeline“.
Über die betroffene Pipeline Balkan Stream gelangt russisches Gas über Serbien nach Ungarn. Die Pipeline sei Teil der „kritischen Gasinfrastruktur“, erklärte Orbán. Der EU-Beitrittskandidat Serbien ist stark von russischem Gas abhängig. Auch Ungarn ist auf importiertes Öl und Gas aus Russland angewiesen.
In den vergangenen Wochen hat Orbán der ukrainischen Regierung wiederholt vorgeworfen, Reparaturen an einer beschädigten Pipeline durch die Ukraine absichtlich zu verzögern, wodurch der Fluss russisches Öls nach Ungarn und in die Slowakei erheblich eingeschränkt wurde. Wegen des Streits um die Pipeline hat Orbán die Zustimmung der EU zu einem Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine blockiert.