Im vergangenen Jahr gab es dem Bundeskriminalamt (BKA) zufolge 321 Verdachtsfälle von Sabotage an Infrastrukturanlagen und Behörden. Das geht aus einem vertraulichen Lagebericht des BKA hervor, über den der Westdeutsche Rundfunk, der Norddeutsche Rundfunk und die Süddeutsche Zeitung berichteten.
Erfasst wurden demnach verdächtige Zwischenfälle unter anderem in den Kategorien Bahnanlagen, Energie- und Wasserversorgung, Flugverkehr, Bundeswehr, Polizei und in sonstigen Verwaltungsbereichen. Mit 88 kam es in Nordrhein-Westfalen zu den meisten Vorfällen, gefolgt von Niedersachsen mit 51 und Bayern sowie Sachsen mit jeweils 30.
1.289 verdächtige Drohnenüberflüge
Zusätzlich registrierte das BKA dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr 1.289 verdächtige Drohnenüberflüge, die dem Bericht zufolge teils als Ausspähung eingestuft wurden. Dabei wurden 2.310 Drohnen gesichtet.
Dem Bericht zufolge vermuten Sicherheitsbehörden,
dass hinter einigen dieser Vorfälle staatliche russische Stellen stecken
könnten. Russische Geheimdienste werben demnach seit einigen Jahren verstärkt
Menschen über das Internet an und bezahlen diese sogenannten Wegwerf-Agenten
für Spionage und Sabotageaktionen. Russland bestreitet dies.
Informationssammelstelle „Zeitenwende“
Im Oktober vergangenen Jahres hat das BKA die Informationssammelstelle „Zeitenwende“ eingerichtet, die systematisch Meldungen zu mutmaßlichen Sabotagehandlungen aus den Bundesländern erfassen soll. Zudem kommt seit Oktober 2025 wöchentlich eine Runde aus Vertretern der Sicherheitsbehörden aus Bund und Ländern beim Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln zusammen, um die Vorfälle zu besprechen.
Das Bundesinnenministerium plant zudem die Einrichtung eines Abwehrzentrums gegen hybride Bedrohungen, das ebenfalls beim Bundesamt für Verfassungsschutz angesiedelt werden soll. Vorbild für diese Austauschplattform von Vertretern aus Polizei, Nachrichtendiensten, Zoll und Justiz ist das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum in Berlin.