Internet mit hohen Übertragungsraten auch während Flügen soll nach dem Willen vieler Fluggesellschaften zum nächsten Komfortmerkmal auf Reisen werden. Und mit Michael O’Leary, dem Chef des Billigfliegers Ryanair, sowie Starlink-Erschaffer Elon Musk führen gerade zwei Manager vor, dass Kommunikationswege nicht nur für E-Mails und Videos, sondern auch für allerlei Spitzen genutzt werden können.
Zwischen den beiden selbstbewussten und nie zurückhaltenden Chefs ist ein Fernduell entbrannt. In dem ist schon das Wort „Idiot“ gefallen, ebenso die Forderung, O’Leary zu entlassen. Jüngster Höhepunkt sind von Musk geäußerte Gelüste, Ryanair zu kaufen. Dazu hat er gar eine Onlineabstimmung gestartet.
Der Anfang des Duells war noch relativ harmlos. Während die Deutsche Lufthansa gerade verkündet hat, nun ihre gesamte Konzernflotte von mehr als 800 Flugzeugen mit schnellen Internetzugängen über Musks Satellitennetzwerk Starlink – laut Lufthansa „die derzeit schnellste Inflight-Internetverbindung der Branche“ – auszustatten, ließ O’Leary wissen, dass er für Ryanair kein Interesse daran habe. „Wir glauben nicht, dass unsere Passagiere bereit sind, für WLAN auf einem durchschnittlich einstündigen Flug zu bezahlen“, sagte er vergangene Woche der Nachrichtenagentur Reuters.
Musk sei „sehr reich, aber ein Idiot“
Starlink-Antennen auf der Oberseite eines Flugzeugrumpfs sorgten für einen höheren Luftwiderstand, führte O’Leary weiter aus. Daher lohne solch ein Vorhaben für Ryanair nicht, die Kerosinkosten des scharf kalkulierenden Billigfliegers würden um zwei Prozent steigen. Das scheint rückblickend schon die eine Einlassung zu viel gewesen zu sein – zumindest aus der Sicht von Musk. O’Leary sei „falsch informiert“, konterte Musk über die ihn gehörende Plattform X.
O’Leary legte im irischen Sender Newstalk nach. Musk wisse „null“ über Flugbetrieb und Luftwiderstand. Mit Starlink würden Ryanair Kosten von 250 Millionen Dollar im Jahr entstehen. Er würde Musk und dem, was Musk in seine „Jauchegrube“ X setze, „überhaupt keine Beachtung schenken“. Schließlich sei es auch Musk gewesen, der als Fürsprecher dazu beigetragen habe, dass Donald Trump abermals US-Präsident wurde. Musk sei „sehr reich, aber ein Idiot“.
Musk zog via X gleich, O’Leary sei ein „absoluter Idiot“, man sollte ihn feuern. Damit hätte das Scharmützel enden können, tat es aber nicht. Ryanair alberte über das Unternehmensprofil auf X zu Meldungen über Netzwerkprobleme der Plattform: „Vielleicht brauchst Du WLAN, Elon Musk.“
„Was würde es kosten, Euch zu kaufen?“
Der legte einer Überlegung nach, wie das Störfeuer des Billigfliegers enden könnte und fragte: „Was würde es kosten, Euch zu kaufen?“ Er wolle wirklich, dass wieder jemand an der Spitze von Ryanair stehe, der Ryan heiße. Die Gesellschaft wurde 1984 vom Iren Tony Ryan gegründet.
Am Montagabend folgte noch eine „X“-Abstimmung, ob er Ryanair kaufen solle. Mit solch einer Umfrage hatte er einst schon abklären lassen, ob er als Chef der Plattform zurücktreten solle. Die Resonanz auf die Ryanair-Umfrage geriet groß, bis Dienstagmittag waren schon mehr als 800.000 Voten abgegeben, drei Viertel davon für den Ryanair-Kauf.
Der Billigflieger ist die passagierreichste Fluggesellschaft Europas. Im vergangenen Geschäftsjahr verkaufte Ryanair erstmals mehr als 200 Millionen Tickets und verdiente 1,6 Milliarden Euro. An der Börse ist die Gesellschaft aktuell mit 30,2 Milliarden Euro bewertet. Die Marktkapitalisierung des umsatzstärksten Flugkonzerns Europas, der Lufthansa, beträgt 9,9 Milliarden Euro.