Russland hat die Ukraine wieder massiv angegriffen

Stand: 16.04.2026 • 18:28 Uhr

Mit mehr als 40 Raketen und nahezu 700 Drohnen hat Russland die Ukraine zuletzt angegriffen. Politiker und Beobachter in der Ukraine sprechen von Kriegsverbrechen und Terror, der vor allem die Zivilbevölkerung treffe.

Schwerfällig bewegt sich Walerij Schaschkow durch seine Wohnung in der ukrainischen Hauptstadt. Glasscherben bedecken den Boden. Die Druckwelle der russischen Rakete hat seine Fenster herausgerissen und die Möbel umher fliegen lassen. Irgendetwas muss ihn am Kopf getroffen haben, erzählt Schaschkow der Nachrichtenagentur Reuters. Er ist noch immer im Schockzustand.

„Es traf mich wie ein Schlag, ich habe überhaupt nicht begriffen, was passiert ist.“ Überall sei Blut gewesen, erinnert er sich, kurz darauf eine weitere Explosion. „Ich schaue aus dem Fenster, auf den ersten Blick wirkt alles in Ordnung. Ich sehe wie die Leute die Treppen runter rennen in den Hof und bin ihnen gefolgt“, sagt Schaschkow.

Mehr als 40 Raketen und fast 700 Drohnen

Der 84-Jährige hat Glück gehabt. Er hat den jüngsten massiven Luftangriff auf die Ukraine knapp überlebt. Mit mehr als 40 Raketen und nahezu 700 Drohnen hat Russland in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag vor allem die Großstädte Kiew, Odessa und Dnipro angegriffen.

Landesweit wurden nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa 18 Menschen getötet. Es soll 100 Verletzte geben, teilt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit.

Russland verfolge eine klare Strategie: die ukrainische Zivilbevölkerung mürbe zu bomben, meint Dmytro Schmajlo, Geschäftsführer des Zentrums für Sicherheit und Zusammenarbeit im ukrainischen Fernsehen.

„Luftalarm rund um die Uhr, ein ständiger Druck, der darauf abzielt, unsere Wirtschaft und unsere Bildungseinrichtungen lahmzulegen.“ Das führe zu mehr und mehr Unmut und letztendlich dazu, dass die Menschen einen Waffenstillstand zu jeglichen Bedingungen forderten, sagt Schmajlo.

Ukrainischer Außenminister spricht von Kriegsverbrechen

Es ist kontinuierlicher Terror gegen die Zivilbevölkerung, davon sind Politiker und Beobachter in der Ukraine überzeugt. Solche Angriffe dürften nicht normalisiert werden, schreibt der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha in den Sozialen Medien. Es handele sich um Kriegsverbrechen, die gestoppt werden müssten, so Sybiha.

Die Härte der russischen Angriffe müssten jedoch niemanden mehr überraschen, meint der Publizist Witalij Portnykow in seinem Kanal auf Youtube. „Das Ziel dieser Angriffe ist sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Die Ukraine soll eingeschüchtert und überzeugt werden, den Forderungen des Kreml nachzugeben und ihre Staatlichkeit aufzugeben.“

Es werde weiterhin versucht, die ukrainische Energieinfrastruktur zu zerstören. „Cherson und Mykolajiw sind als Folge der Angriffe ohne Strom“, sagt Portnykow weiter.

Der jüngste russische Angriff kommt nur wenige Tage nachdem der ukrainische Präsident einen kritischen Mangel an Flugabwehrraketen beklagt hatte. Seit Beginn des Iran-Kriegs ist die Nachfrage an den sogenannten Patriot-Raketen enorm gestiegen, die effektiv zur Abwehr ballistischer Raketen eingesetzt werden können. Selenskyj rief seine Partner in einer ersten Reaktion dazu auf, gegebene Versprechen an Hilfslieferungen auch zu erfüllen.

Source: tagesschau.de