In Ungarn machen gefälschte Videos die Runde, die unter den Marken „Reuters“ und „Deutsche Welle“ (DW) die Botschaft verbreiten, ukrainische Flüchtlinge wollten einen Anschlag auf Ungarns Staatschef Viktor Orban verüben.
Wie ein Faktencheck-Team der Deutschen Welle berichtet, steckt ein russisches Bot-Netzwerk hinter der zweifachen Fälschung – denn weder gebe es Hinweise auf derlei Anschlagspläne, noch hätten Reuters oder die DW je darüber berichtet. Genannt wird diese Art der Desinformation „Media Spoofing“. Dabei imitieren Akteure bestimmte Medienmarken, um ihren Inhalten eine höhere Glaubwürdigkeit zu verleihen. So werden Webseiten gebaut, die beispielsweise jener der DW ähneln, oder es werden, wie in diesem Fall, entsprechende Logos in Videos eingebaut. Erzeugt werden soll der Anschein von Seriosität.
Desinformation soll Misstrauen schüren
In Ungarn haben die besagten Videos, verbreitet durch das Bot-Netzwerk, in sozialen Medien laut DW mehr als 100.000 Menschen erreicht. Sie werden demnach einer prorussischen Desinformationskampagne namens „Matrjoschka“ oder „Operation Overload“ zugeordnet, die unter dem Deckmantel bestimmter Medien gezielt Falschinformationen verbreitet.
Mathias Stamm, Chefredakteur der Deutschen Welle, erklärt in einem Statement: „Der von Bots verstärkte Fake-Video-Fall aus Ungarn zeigt, wie skrupellos Desinformation heute eingesetzt wird, um Misstrauen zu schüren und politische Narrative zu verzerren.“ Gerade deshalb brauche es „sorgfältig recherchierte Faktenchecks, die diese Täuschungen entlarven und Menschen Orientierung bieten“.
Dabei wird denjenigen, die solche Fälschungen entlarven – Journalisten und Mitarbeitern diverser Faktencheck-Organisationen – die Arbeit zunehmend erschwert. So hat beispielsweise die US-Regierung unter Präsident Donald Trump laut Nachrichtenagentur Reuters eine härtere Prüfung von Bewerbern für ein sogenanntes H-1B Visum (ein befristetes US-Arbeitsvisum für hochqualifizierte Fachkräfte in Spezialberufen) angeordnet.
So sollen Bewerber, die im Zusammenhang mit Desinformationen stehen, ebenso streng geprüft werden, wie solche, die im Bereich Faktencheck oder „Content-Moderation“ arbeiten. Sollten Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde „einen Hinweis darauf finden, dass der Bewerber für Zensur verantwortlich oder mitschuldig“ war, kann ihm das Visum verweigert werden. Das International Fact-Checking Network (IFCN), zu dem auch die DW gehört, hatte diesen Schritt kritisiert und etwaige Zensur-Vorwürfe zurückgewiesen.
Source: faz.net