Die Welt rüstet auf. Wie das schwedische Friedensforschungsinstitut SIPRI in seinem jüngsten Bericht ausführt, stiegen die addierten Umsätze der 100 größten Rüstungshersteller der Welt im Jahr 2024 um knapp sechs Prozent auf fast 680 Milliarden Dollar. Das ist der höchste je errechnete Wert. Im laufenden Jahr dürfte sich der Trend mit hoher Dynamik fortgesetzt haben.
Zwar trennen die vier untersuchten deutschen Konzerne immer noch kleine Welten von der Konkurrenz aus den USA, doch wachsen Rheinmetall und Co. schon angesichts des großen Nachholbedarfs in Deutschland viel schneller als der Wettbewerb. Die Hersteller von Panzern, Fluggeräten und Radartechnik schieben dicke Auftragsbestände vor sich her. Dennoch mussten ihre Aktienkurse am Montag ordentliche Abschläge hinnehmen. Viele Anleger dürften die satten Gewinne der vergangenen Monate mitgenommen haben. Denn trotz einer zu erwartenden Welle neuer Orders vor allem durch die Bundeswehr scheinen die Zweifel an der Dauer des Höhenflugs zu wachsen.
Ohne China keine Drohnen
Die Pläne für die nötigen Kapazitätserweiterungen liegen vielerorts schon in den Schubladen. Doch es gibt eine offene Flanke fast aller Rüstungshersteller im Westen: die buchstäblich entwaffnende Abhängigkeit in der Versorgung mit kritischen Rohstoffen. Die SIPRI-Autoren weisen explizit auf die Gefahr durch hohe Bezugsmengen aus wenigen Lieferländern hin. Als Beispiel werden der Airbus -Konzern und Safran aus Frankreich genannt, die noch vor wenigen Jahren die Hälfte ihres Titanbedarfs aus Russland deckten und sich nach dem Überfall auf die Ukraine neue Lieferanten suchen mussten.
Dieses Ausweichen ist jedoch mitunter schwierig oder kurzfristig unmöglich, wie die chinesischen Lieferstopps für Seltene Erden gezeigt haben. Eine Studie aus Großbritannien hat gerade aufgedeckt, dass der angestrebte Aufbau einer Drohnenarmee in den NATO-Ländern ohne kritische Rohstoffe und Permanentmagneten aus China derzeit quasi nicht möglich ist. Zwar beteuern Großproduzenten wie Rheinmetall, für Jahre alle wichtigen Rohstoffe auf Lager zu haben. Doch für das große Heer der Zulieferer sind solche Aussagen schlicht nicht haltbar. Die strategische Sicherung der Versorgung mit Seltenen Erden und Industriemetallen zählt deshalb zu den wichtigsten Aufgaben westlicher (Verteidigungs-)Bündnisse in den kommenden Jahren.