Rubio in Budapest: Was Orbáns dicke Soße überdeckt

Es ist kaum zwei Jahre her, da besuchte Ungarns Regierungschef Viktor Orbán Donald Trump, zu dem Zeitpunkt Präsidentschaftskandidat mit noch ungewissen Aussichten. In Europa konnte oder mochte sich noch kaum jemand vorstellen, dass Trump abermals das Zepter in Washington übernehmen würde.

Orbán schon. Er sagte: „Die Welt wäre besser, und für Ungarn wäre es besser, wenn Herr Präsident Donald Trump zurückkehren würde.“ Trump ließ sich nicht lumpen und verbreitete: „Viktor ist ein großer Führer, überall in der Welt respektiert.“

Heute kann Orbán Trumps Schützenhilfe brauchen

Wahlentscheidend war dieser Besuch nicht, aber immerhin signalisierte er, dass Trump unter den Staatenlenkern der Welt nicht der Paria sei, als den ihn die Demokraten gerne darstellten. So etwas merkt sich einer wie Trump. Insofern war es keine Höflichkeitsfloskel, wenn Außenminister Marco Rubio jetzt das enge Verhältnis der beiden in höchsten Tönen rühmte.

Heute ist es Orbán, der Schützenhilfe brauchen kann. Ob sie es ihm ermöglicht, den innenpolitischen Verdruss zu überspielen, der den Umfrageerfolg seines Konkurrenten Péter Magyar nährt, wird man bei den Wahlen im April sehen.

Bis dahin müsste im Sinne Orbáns auch eine erhebliche Unstimmigkeit unter der dicken Soße gegenseitiger Lobhudelei verdeckt bleiben: dass Ungarn Energieimporte aus Russland als unentbehrlich bezeichnet, Trump aber aufs Schärfste über die Europäer herzieht, die immer noch Energie aus Russland beziehen.

Source: faz.net