Dass man negative Nachrichten in eigener Sache ein wenig verpackt, damit sie nicht ganz so negativ rüberkommen, gehört zum kleinen Einmaleins der PR. Es jedoch so zu übertreiben wie RTL in einer Mitteilung, ist großes, trauriges Kino. „RTL News stellt sich für die Zukunft neu auf: Klare Fokussierung, starke Marken, zentrale Newsrooms und Inhalte-Desks.“
Nachrichten von Datenmaschinen
Ziel sei es, „journalistische Qualität weiter zu stärken, redaktionelle Kräfte dank voranschreitender Digitalisierung und KI noch effektiver zu nutzen und die publizistische Schlagkraft in einer digitalen Welt zukunftsfähig auszubauen“, heißt es da. Es folgen Ausführungen über neue, unendlich scheinende Sendestrecken und der Verweis auf den „zentralen plattformübergreifenden Newsroom in Köln, mit einem Pendant in Berlin, sowie Inhalte-Desks mit dem Schwerpunkt auf VIP- und Magazin-Themen sowie der Steuerung der übergeordneten Zusammenarbeit bei ntv.de, stern.de und rtl.de“.
Alles klar? Mitnichten. Die eigentliche Nachricht findet sich unter „ferner liefen“: RTL streicht im Rahmen des schon angekündigten Abbaus von 600 Stellen 230 Arbeitsplätze für Journalisten. Betriebsbedingte Kündigungen „sollen“ vermieden werden. Dass das gelingt, mag man nicht glauben.
Was RTL, das mit dem Sender n-tv eines der stärksten deutschsprachigen Nachrichtenangebote im Köcher hat, hier exerziert und verbrämt, könnte anderen Medienhäusern noch bevorstehen: Massenentlassungen, weil die KI übernimmt. Nicht Menschen gestalten Nachrichten, sondern Datenmaschinen. Darauf müsste die Überschrift der RTL-Mitteilung lauten.
Source: faz.net