Auf den ersten Blick vermitteln die Zahlen Kontinuität. Um knapp 2 Prozent auf 19 Milliarden Euro hat Bertelsmann im Jahr 2025 den Umsatz gesteigert, das Konzernergebnis liegt mit einer Milliarde Euro zum elften Mal nacheinander über dieser Schwelle. Eine andere markante Zahl will der zum Jahresende ausscheidende Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe noch ausweisen können: eine Eigenkapitalquote von mindestens 50 Prozent, nachdem der Wert im vergangenen Jahr von 47 auf 49 Prozent gestiegen ist.
Tatsächlich ist mächtig Bewegung im größten Medienkonzern Europas, denn RTL als größte Sparte hat im Sommer mit dem Griff nach Sky Deutschland einen echten Coup gelandet. Der einstige Pionier im Bezahlfernsehen bringt fünf Millionen Abonnenten mit. „Damit sind wir von Netflix nicht mehr weit entfernt“, erklärt Rabe, der in Personalunion auch der börsennotierten RTL Group vorsteht. Netflix habe rund 15 Millionen Abonnenten in Deutschland, RTL komme mit Sky auf 12 Millionen.
RTL+ hat im Januar und Februar 250.000 Abonnenten hinzugewonnen
Allein in den ersten zwei Monaten 2026 hat die Streamingplattform RTL+ weitere 250.000 Abonnenten hinzugewonnen. Vorrangige Treiber, so heißt es im Konzern, seien gemeinsame Angebote mit Amazon Prime und HBO Max, dem in Deutschland neu angetretenen Streaming-Dienst von Warner Bros., sowie dem langjährigen Partner Telekom. Durch die Geschäfte mit anderen Streaming-Anbietern erschließe man zusätzliche Zielgruppen, ohne die eigene Identität zu gefährden, lautet die Logik hinter der Kooperation mit Konkurrenten. Auch innerhalb von RTL werden verschiedene Zielgruppen unterschiedlich angesprochen, weshalb auch der Name Sky erhalten bleiben soll: „Wir wären töricht, wenn wir auf diese Marke verzichten würden“, sagte Rabe gegenüber der F.A.Z.
Mit der Fokussierung auf das Streaminggeschäft unterscheidet sich die Strategie von Bertelsmann deutlich vom Medienkonzern Pro Sieben Sat.1, wo der neue Vorstandschef Marco Giordani das Fernsehangebot kostengünstiger machen will. Das lineare Fernsehen verliere jährlich 5 bis 8 Prozent Reichweite, hält Bertelsmann- und RTL-Chef Rabe dem entgegen. So schnell würde man die Kosten gar nicht senken können, wie das in diesem Fall nötig wäre.
TV-Geschäft gewinnt kurzfristig an Gewicht
„Unser Geschäftsmodell dagegen gleicht die Rückgänge im linearen Fernsehen aus“, betont Rabe. Das Streaming-Geschäft werde dieses Jahr profitabel sein. Zudem führe die Übernahme von Sky (die noch von den Kartellbehörden genehmigt werden muss) zu Synergieeffekten von 250 Millionen Euro jährlich ab dem dritten Jahr. Allein in diesem Jahr sind Programminvestitionen für die Sender im Volumen von 2,5 Milliarden Euro geplant. Während der Umsatz der RTL Group im vergangenen Jahr um 8 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro zurückgegangen ist, kommen mit Sky absehbar 2 Milliarden Euro Jahresumsatz dazu.
Das TV-Geschäft gewinnt damit im Bertelsmann-Konzern wieder an Gewicht, jedoch nicht auf Dauer, wie Rabe in Aussicht stellt. Die Eigentümer – die Gütersloher Familie Mohn und ihre Stiftungen – legten Wert darauf, dass nicht alles Geld in einem Bereich investiert werde. Insgesamt ist viel Bewegung im Portfolio. Seit Thomas Rabe im Jahr 2012 die Führung von Bertelsmann übernommen hat, wurde grob ein Drittel des damaligen Geschäfts mit einem Volumen von 15 Milliarden Euro verkauft – unterm Strich aber stieg der Umsatz auf nun fast 19 Milliarden Euro.
Zweitgrößte Sparte ist aktuell noch Penguin Random House, die größte Buchverlagsgruppe der Welt, die im vergangenen Jahr nahezu unverändert knapp 5 Milliarden Euro umgesetzt hat. Mit einem kräftigen Wachstum von zuletzt 13 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro holt aber die Dienstleistungssparte Arvato auf. In diesem Bereich, der seine Wurzeln im Buchversand hat, bündelt Bertelsmann vielfältige Logistik-Angebote für die verschiedensten Branchen, bietet aber auch Zahlungslösungen und Cloud-Dienstleistungen an. Der Konzern zählte zum Jahreswechsel rund 77.000 Beschäftigte.