RTL-Chef Schmitter: Wie man den Ofarim-Skandal verniedlicht

Stephan Schmitter ist Geschäftsführer von RTL Deutschland. Und er ist ein Schönredner. Er versteht sich darauf, die härtesten Vorgänge so lange weichzuspülen, bis alles nach Friede, Freude, Eierkuchen aussieht.

Das Interview, das er gerade Thomas Lückerath, dem Gründer des Fachdienstes „dwdl“, gegeben hat, ist dafür ein gutes Beispiel. RTL Deutschland ist im Umbruch, verwandelt sich von der Senderfamilie zur Streamingplattform, hat Probleme im linearen Programm, muss noch die Übernahme von Sky bewältigen, ist bei alldem für den Mutterkonzern, die RTL Group mit Sitz in Luxemburg, und für Bertelsmann eine Geldmaschine. Bei 2,54 Milliarden Euro lag der Umsatz von RTL Deutschland im vergangenen Jahr, der Gewinn bei 287 Millionen Euro. Trotzdem hat die Senderfamilie 600 Stellen abgebaut. Jeder zehnte Mitarbeiter flog raus.

„Dafür kann ich mich bei allen im Haus nur von Herzen bedanken“

Das ist ein Personalabbau, der seinesgleichen sucht, den die Mitarbeiter aber – glauben wir Schmitter – geradezu euphorisch aufgenommen haben. Auf die einfühlsam gestellte Frage, wie man bei „immer noch stolzen Gewinnen“ und massivem Stellenabbau einen „emphatischen Spagat“ hinbekommt, schwärmt Schmitter, was für eine „außergewöhnliche Firma RTL Deutschland“ doch sei. „Trotz der schweren und hochemotionalen Situation für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ sei die „Neustrukturierung sehr ruhig, professionell und fokussiert abgelaufen. Dafür kann ich mich bei allen im Haus nur von Herzen bedanken. Wir haben unsere gesetzten Ziele fast erreicht und schauen jetzt nach vorne.“ Das darf man wohl unter „Hier gibt es nichts zu sehen, bitte weitergehen“ subsumieren.

Die Moderatoren Sonja Zietlow und Jan Köppen mit Gil Ofarim, dem „Dschungelkönig“.dpa

Und auch die Einlassung zum letzten Dschungelcamp und dessen Sieger Gil Ofarim, die Schmitter nun allenthalben als „Selbstkritik“ gutgeschrieben wird, ist weniger selbstkritisch denn Schönrednerei. Das „Team vor Ort in Australien“ habe „das Thema an vielen Stellen in den Sendungen sehr gut verarbeitet“, sagt Schmitter. Und doch habe es „ein, zwei Sendungen“ gegeben, „in denen es zugespitzte Behauptungen gab, bei denen wir agiert haben, wie wir es bislang immer im Dschungel getan haben: die Protagonisten erzählen, diskutieren, regeln ihre Themen untereinander, und der Zuschauer:in macht sich sein eigenes Bild. Bei Social Media und in der Presse waren die Meinungen dazu sehr gespalten und wir waren gleichzeitig mit vielen unterschiedlichen Wahrnehmungen konfrontiert. Aus heutiger Sicht wäre es an der einen oder anderen Stelle besser bzw. richtig gewesen, die Fakten direkt in der Livesendung klarzustellen und nicht nur in der ‚Stunde danach‘. Da hätten wir in Köln redaktionell reagieren müssen. Und sei es nur mit einer Bauchbinde.“

Eine „Bauchbinde“ freilich hätte bei der Shitshow, die RTL mit Ofarim veranstaltet hat, nicht gereicht. Schließlich wärmte der Sänger in der Show seine Lüge, er sei von einem Hotelmitarbeiter in Leipzig an der Rezeption antisemitisch beleidigt worden, wieder auf. RTL spielte regelrecht mit der Skandalgeschichte, die Ofarim im Oktober 2021 heraufbeschworen hatte. Das scheint Bauchbinder Schmitter vergessen zu haben.

Source: faz.net