Damit wird an die Geste Jesu Christi beim letzten Abendmahl erinnert, das er mit den Aposteln hielt, ehe er verraten, ausgeliefert, gefoltert und gekreuzigt werden sollte. Der Evangelist Johannes berichtet, dass Jesus bei dieser Gelegenheit seinen Jüngern die Füße wusch: ein Zeichen der Demut und des Dienens statt Herrschens.
Die Fußwaschung als Zeichen der Demut und des Dienens
Und zwar ein starkes Zeichen, das offensichtlich seine Wirkung nicht verfehlte. Es ist überliefert, dass schon im Urchristentum diese Handlung als Ritus gepflegt wurde. In der katholischen Kirche hatte sich der Brauch eingebürgert, dass deren irdisches Haupt, der Bischof von Rom als Papst, ihn an zwölf Priestern ausübte.
Papst Franziskus allerdings, der erste Papst vom amerikanischen Kontinent, brach, wie mit so vielen Traditionen, nicht mit dem Ritus an sich, aber damit, die Demutsgeste an Priestern zu vollziehen. Stattdessen ging er dafür zu Migranten und in Gefängnisse. Und mit dieser Neuerung bricht wiederum – wie mit so vielen seines Vorgängers – nun Leo XIV., der zweite Papst vom amerikanischen Kontinent.
An den Rand der Gesellschaft begeben
Das kann man kritisch sehen: War es nicht ein starkes Zeichen von Franziskus, dass er auch bei dieser Gelegenheit den geschützten Raum des Vatikans verlassen und sich zu den Mühseligen und Beladenen am Rande der Gesellschaft begeben hat, um vor ihnen für die Fußwaschung auf die Knie zu gehen? Und war das nicht genau im Sinn der biblischen Botschaft des Neuen Testaments, laut der Jesus sich auch nicht zu schade war, sich mit Sündern, Zöllnern und Dirnen abzugeben?
Man kann den Schritt von Leo XIV. aber auch weniger ungünstig deuten. Schließlich hat ja auch er – beispielsweise auf seiner Libanonreise – Orte wie Behindertenheime aufgesucht, nur mitunter mit etwas weniger demonstrativem öffentlichem Gestus. Und sich zur Fußwaschung vor rangniedrigeren Mitarbeitern der eigenen Organisation auf die Knie zu begeben, ist womöglich eine noch größere Demutsübung, als wenn man das vor fremden Außenseitern tut.
Katholische Priester sind nicht nur in Deutschland durch das missbräuchliche Fehlverhalten allzu vieler ihrer Mitbrüder und durch den allzu oft schändlichen Umgang von Bischöfen mit diesen Untaten in ihrer Gesamtheit in Verruf geraten. Das tut wiederum der Mehrzahl, die unbescholten ist, Unrecht. Sie können die Geste des Papstes, sich bei dieser Gelegenheit wieder ihnen zuzuwenden, vielleicht auch als Wertschätzung und Bestärkung in ihrem Dienst ansehen.
Source: faz.net