Rita Süssmuth: Deutscher Bundestag würdigt Rita Süssmuth mit Trauerstaatsakt

Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist mit einem Trauerstaatsakt im Deutschen Bundestag gewürdigt worden. In ihrer Rede bezeichnete Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) ihre Vorgängerin als „prägende politische Figur Deutschlands“. Süssmuth
habe gesellschaftliche Debatten bestimmt, sagte Klöckner. „Sie war eine Politikerin, die gesellschaftliche Fragen früher erkannte als
andere. Sie wartete nicht, bis Debatten bequem wurden. Sie scheute keine
Tabus – auch dann nicht, wenn der Gegenwind auch mal aus den eigenen
Reihen kam.“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte Süssmuth eine „Ausnahmepolitikerin“. Sie habe „das Gesicht der
Bundesrepublik geprägt“ – als erste Frauenministerin, als
Bildungspolitikerin, als Gesundheitspolitikerin, als
Bundestagspräsidentin, als Abgeordnete der CDU. Süssmuth sei fachlich exzellent und
in allen ihren Ämtern und Funktionen beharrlich und streitbar sowie
„ziemlich oft ziemlich unbequem“ gewesen, auch für seine Partei. „In
vielen Fragen – vielleicht in den meisten – hat die Geschichte ihr recht
gegeben“, sagte der Kanzler. „Sie war eben ihrer
Zeit in mancher Hinsicht voraus. In ihrem Beharren auf eine moderne
Familienpolitik etwa. Auf eine Arbeitsmarktpolitik, die die
Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärkt. In ihrer wegweisenden
Aids-Politik.“

Auf Wunsch der Verstorbenen sprach im Bundestag auch der Journalist und Autor Heribert Prantl. Er würdigte Süssmuth als eine „Möglichmacherin“. Sie habe „Unmögliches möglich gemacht“, sagte
Prantl, sei mutig und
leidenschaftlich gewesen und habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn
besessen. Dabei sei sie menschenfreundlich gewesen und habe eine
Herzenswärme ausgestrahlt. Süssmuth
habe sich über moralische Herabsetzungen hinweggesetzt und sei für
ungewollt Schwangere und Homosexuelle eingetreten. Als
sie entgegen der Parteilinie für eine Liberalisierung der
Abtreibungsregelung eingetreten sei, habe sich die gläubige Katholikin
auch den Zorn katholischer Bischöfe zugezogen, sagte Prantl.

Vor dem Trauerstaatsakt im Deutschen Bundestag hatte es am Vormittag einen ökumenischen Gottesdienst in
der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale gegeben.

Klöckner, Prantl und Merz würdigen Süssmuths Umgang mit der Aids-Krise

Süssmuth war Anfang Februar im Alter von 88 Jahren gestorben und wurde bereits in ihrer Heimatstadt Neuss in Nordrhein-Westfalen beigesetzt. Sie gehörte
dem Bundestag von 1987 bis 2002 an und war von 1988 bis 1998 dessen
Präsidentin. Von 1985 bis 1988 war sie unter Kanzler Helmut Kohl (CDU)
Bundesfamilienministerin. Die Professorin für Erziehungswissenschaften
war als Seiteneinsteigerin in die Politik gekommen. Als Kohl sie 1985
als Nachfolgerin von Heiner Geißler (CDU) zur Ministerin berief, war sie
weitgehend unbekannt. Sie wurde aber schnell populär. Ein Jahr später wurde ihr zusätzlich das Ressort Frauen zugesprochen. So wurde sie Deutschlands erste Bundesfrauenministerin. Mit ihrem modernen
Familien- und Frauenbild war Süssmuth vielen in ihrer eigenen Partei weit voraus und eckte immer wieder an.

Alle drei Redner erinnerten an Süssmuths
Kampf gegen die Aids-Krise. Sie habe sich gegen moralische Ausgrenzung
und Verurteilung der Betroffenen gestemmt und der damaligen Vorstellung
widersprochen, die Krankheit sei eine Strafe, sagte etwa Julia Klöckner. „Nicht den Betroffenen
sagte sie den Kampf an, sondern der Krankheit.“ Als
Bundestagspräsidentin habe sie die Möglichkeiten des Amtes neu
definiert. „Rita Süssmuth hat unser Parlament als moralische Institution gestärkt.“

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