Der US-Unterhaltungskonzern Warner Bros Discovery zeigt dem Kaufinteressenten Paramount Skydance erneut die kalte Schulter. Die rund
108 Milliarden Dollar schwere Übernahmeofferte sei eine riskante Transaktion, teilte Warner Bros am Mittwoch mit. Das Management riet den Aktionären einstimmig davon ab, ihre Anteile Paramount anzudienen.
Es bezeichnete das Übernahmeangebot des Streaminganbieters Netflix im Volumen von knapp 83 Milliarden Dollar als die bevorzugte Alternative. Paramount war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Netflix begrüßte die Aussagen von Warner Bros. Warner Bros
hält die Rechte an Filmklassikern wie „Casablanca“, der „Harry Potter“-Reihe oder der TV-Serie „Game of Thrones“. Zum Konzern gehören außerdem der Bezahlsender HBO und der Nachrichtenkanal CNN.
Paramount will Warner Bros im Rahmen eines sogenannten Leveraged Buyouts schlucken. Dabei werden die
Kredite für die Transaktion mit Vermögenswerten und künftigen Einnahmen des Übernahmeziels besichert. Im aktuellen Fall würde Paramount Warner Bros Schulden in Höhe von 87 Milliarden Dollar aufbürden.
Vertragsstrafen an Netflix drohen
Wegen der niedrigen Bonität von Paramount sei fraglich, ob das Unternehmen die notwendigen Kredite aufnehmen könne, warnte das Management von Warner Bros. Ein Scheitern der Transaktion wäre für Warner Bros mit finanziellen Risiken verbunden. Den Angaben zufolge würde eine Entscheidung zugunsten von Paramount Warner Bros insgesamt rund 4,7 Milliarden Dollar kosten. Ein Großteil dieser Summe seien Vertragsstrafen an Netflix und an Kreditgeber.
Der Börsenwert von Paramount liegt derzeit bei etwas mehr als 13 Milliarden Dollar. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) stuft die Kreditwürdigkeit des Medienkonzerns mit „BB+“ ein. Damit gelten Anleihen von Paramount als spekulativ. Netflix-Bonds benotet S&P mit „A“ und betrachtet sie als qualitativ hochwertig. Der Streamingdienst kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 414 Milliarden Dollar.
Paramount und Netflix liefern sich seit Längerem ein Tauziehen um Warner Bros. Paramount hatte seine Offerte Anfang Dezember auf 30 Dollar je Aktie angehoben. Wegen Zweifeln an den Finanzierungsplänen hatte US-Milliardär Larry Ellison eine Garantie über rund 40 Milliarden Dollar abgegeben. Der Mitgründer des SAP-Rivalen Oracle ist der Vater von Paramount-Chef David Ellison. Einem Großaktionär von Warner Bros zufolge ist diese Zusage jedoch unzureichend. Netflix bietet den Eignern von Warner Bros 27,75 Dollar je Aktie.
US-Präsident Donald Trump hatte sich in den Bieterwettkampf um den Unterhaltungskonzern eingeschaltet. Er forderte unter anderem den Verkauf von CNN, dessen Berichterstattung ihm ein Dorn im Auge ist. Die Beteiligungsfirma seines Schwiegersohns Jared Kushner ist einer von Paramounts Geldgebern für die geplante Übernahme.