Rekordzahlen und Razzia: Sehr nachhaltig Schatten oben welcher Deutschen Bank

James von Moltke ist sichtlich stolz. Auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz kann der Deutsche Bank-Finanzvorstand nach neun Jahren seines Wirkens tatsächlich Zahlen ohne Sondereffekte vorstellen. „Das habe ich mir immer gewünscht.“ Tatsächlich war die Unvergleichbarkeit der Zahlen zu Vorjahren immer ein großer Malus.

Deutsche Bank arbeitet sich aus tiefem Sumpf

Welches Zahlenwerk die Deutsche Bank auch immer vorlegte, war die Bilanz stets mit dem Hinweis versehen, dass neben anderen Posten Millionen teure Rechtskosten das Ergebnis gedrückt hätten. Ein Herausrechnen sei nötig, die eigentliche Stärke der Bank sonst gar nicht sichtbar. Das wirkte mitunter regelrecht hilflos. Die Deutsche Bank schien zwischendurch nicht sanierbar. Zu tief der Sumpf, zu verschachtelt das Geschäft, zu unübersichtlich die Strategie.

Mit dem Abschluss des Jahres 2025 kann die teils sehr schmerzhafte Transformation der Bank als abgeschlossen angesehen werden. Ein Rekordergebnis von 7,1 Milliarden Euro, eine Nachsteuerrendite von 10,3 Prozent und ein nachhaltig gesteigerter Aktienkurs: Die Deutsche Bank ist zurück im Kreis der erfolgreich agierenden Banken. Sie hat jetzt die große Chance, diese wiedergewonnene Stärke für den eigenen Erfolg und den Erfolg seiner Kunden zu nutzen.

In Zeiten, in denen ausgerechnet der amerikanische Markt und damit auch die amerikanischen Banken zu einem besorgniserregenden Unsicherheitsfaktor geworden sind, bekommt das Modewort „Europäische Souveränität“ eine ganz neue Qualität – und eine neue Verantwortung jenseits jeder Profitabilität der Bank. Viele Jahre hat Deutschlands größte Privatbank mit Skandalen und Missmanagement für Aufsehen gesorgt. Das Vertrauen war so nachhaltig erschüttert, dass sich Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre lieber anderen europäischen Großbanken oder amerikanischen Wall-Street-Banken zuwendeten.

Zwischendurch war die Deutsche Bank nur noch ein Übernahmeobjekt, doch wer hätte sich die Bank mit all ihren offenen und versteckten Risiken annehmen wollen? Diese Zeit ist vorbei, in der die Deutsche Bank nur als Junior-Partner in einer Fusion in Frage kam.

Sewing mag dennoch die Frage nach einem Zusammenschluss mit einer anderen Bank nicht, weil noch immer nicht alle Hausaufgaben gemacht sind. Der Vorstandsvorsitzende ist gelernter Risikomanager und hat die Bank mit der Rückbesinnung auf das klassische Banking auf den Erfolgspfad zurückgeführt, aber irgendwann wird er neue Risiken eingehen müssen. Europa braucht einen europäischen Champion und die Deutsche Bank muss den Anspruch haben, bei dieser Rennen dabei zu sein.

Dass ausgerechnet am Tag vor der Bilanzpressekonferenz Beamte des Bundeskriminalamts in Berlin und Frankfurt nach Hinweisen zum Geldwäscheverdacht suchten, trübt allerdings das Bild. Das sieht auch der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing so, der die Razzia mit den Worten kommentierte, man werde vollumfänglich mit den Behörden kooperieren. Sewing braucht kein Erinnerungsmoment an die schwierigen Phasen der Bank.

Sewing hat fast seine gesamte berufliche Laufbahn bei der Deutschen Bank verbracht – in verschiedenen, meist in verantwortungsvollen Positionen. Er wird nicht in den Morast zurückwollen, das kann der Aufklärung des aktuellen Falles und der Stärkung von strengen Compliance-Regeln in der Bank nur helfen. Europa braucht starke Banken.

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