Die Aktienkurse der „Big Oil“-Konzerne sind aufgrund des jüngsten Ölpreisschocks steil gestiegen und haben Allzeithochs erreicht. Europas größter Öl- und Gaskonzern Shell legte seit Ende Februar um rund elf Prozent zu, der kleinere britische Wettbewerber BP sogar mehr als zwölf Prozent. Noch stärker ging es für den italienischen Ölkonzern ENI bergauf, das französische Unternehmen Totalenergies gewann knapp zehn Prozent. Die Kurse der US-Giganten Exxon-Mobil und Chevron stiegen um gut fünf beziehungsweise sieben Prozent. Spitzenreiter ist der mehrheitlich staatliche norwegische Konzern Equinor. Die Aktie legte an der Börse Oslo um mehr als 20 Prozent zu. Equinor ist der größte europäische Erdgasförderer.
Schon in den Wochen vor Beginn des Krieges zeigten die Öl-Aktien einen Aufwärtstrend, da der Rohölpreis stieg. Am Montag pendelte der Ölpreis knapp unter 98 Dollar. Seit dem Kriegsbeginn am 28. Februar, als der Ölpreis bei 67 Dollar je Fass der Sorte WTI lag, ist er um fast die Hälfte (47 Prozent) gestiegen. Der Gaspreis in Europa hat sich seit Ende Februar mehr als verdoppelt.
Die sieben genannten Ölkonzerne haben seit Ende Februar zusammen um mehr als 140 Milliarden Dollar (130 Milliarden Euro) an Börsenwert zugelegt. Mit Abstand der größte und wertvollste westliche Ölkonzern ist Exxon-Mobil mit rund 650 Milliarden Dollar (568 Milliarden Euro) Marktkapitalisierung. Die Aktie von Saudi Aramco, des größten Erdölförderers der Welt, hat seit Ende Februar etwa sechs Prozent zugelegt. Die Börsenbewertung kletterte auf umgerechnet 1,5 Billionen Euro. Fast alle Aktien liegen in Besitz der saudischen Regierung und des saudischen Staatsfonds PIF, nur ein kleiner Teil ist frei handelbar. Zu den Profiteuren des höheren Öl- und Gaspreise zählen auch russische Unternehmen wie Gazprom, Rosneft und Lukoil.
Trump: USA sind größter Ölproduzent
Während die Energiekunden über die Preisanstiege stöhnen, bescheren sie Produzenten große Gewinne. Die US-Investmentbank Jefferies berechnete, dass der höhere Ölpreis allein den amerikanischen Förderern in diesem Monat Extragewinne von fünf Milliarden Dollar in die Kassen spült. Bliebe der Preis dieses Jahr bei durchschnittlich 100 Dollar je Barrel, könnten die US-Unternehmen 63,4 Milliarden Dollar höhere Gewinne erzielen, schätzte die Energieanalysenfirma Rystad.
US-Präsident Donald Trump jubelte schon: „Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand der größte Ölproduzent der Welt; wenn also die Ölpreise steigen, verdienen wir eine Menge Geld.“ Allerdings sorgt die Verteuerung des Benzins an US-Tankstellen unter den Bürgern für Ärger und belastet die Chancen von Trumps Republikanern bei den Zwischenwahlen im November.
Auf der anderen Seite rufen Klimaschutzgruppen wie 350.org schon nach einer neuen Sondersteuer auf Ölgewinne. In Großbritannien werden die Gewinne von BP und Shell auf deren Produktion in der Nordsee seit dem Ukrainekrieg schon mit mehr als 75 Prozent besteuert.
Der Irankrieg bringt für Ölkonzerne, die in der Golfregion produzieren, auch erhebliche Schwierigkeiten. Die Blockade der Straße von Hormus durch Iran trifft einige westliche Ölproduzenten wie Exxon-Mobil, Chevron, BP, Shell und Total-Energies, anders als etwa die US-Schiefergasproduzenten oder Equinor, dessen Kurs daher am stärksten gestiegen ist. BP und Exxon sind am meisten in der Golfregion exponiert.
Source: faz.net