Rege Zockerei: 80 Prozent Gewinn mit Öl an einem Tag

Am Montag ging es mit dem Ölpreis mal wieder nach oben. Fünf Prozent waren es in der Spitze für Nordseeöl der Sorte Brent zur sofortigen Lieferung. Auch für die nächstfälligen Terminkontrakte ging die Notierung wieder nach oben, die Lage an der Straße von Hormus erscheint wieder unsicherer und konfliktträchtiger als noch am Freitag, als die Ölpreise um mehr als zehn Prozent nachgaben, nachdem es so schien, als ob US-Präsident Trump und Iran sich in einem friedlichen Offenhalten der wichtigen Öllieferroute einig seien.

So geht es nun schon einige Wochen, seit Ende Februar die USA und Israel Iran angriffen und der Schiffsverkehr in der Meerenge nahezu zum Erliegen kam. Die US-Banken meldeten vergangene Woche stark steigende Gewinne im ersten Quartal, weil die hohe Unsicherheit in den Aktien-, Zins- und Rohstoffmärkten den Bedarf an Absicherungen stark erhöhte, aber auch die Handelsaktivität, die Investmentbanken nutzen.

Öl löst Gold als Anlegerliebling ab

Auch Privatanleger sind deutlich aktiver geworden, und in der Rangliste der meistgehandelten Wertpapiere hat sich Öl in die Spitzengruppe vorgearbeitet. So lag am Montag das Papier mit der Wertpapierkennnummer FC5KJX vorne – und zeigte ein Kursplus von 30 Prozent. Dieses Hebelpapier  der Société Générale partizipiert an einem steigenden Brentölpreis, und das mit einem Faktor von gut drei.

Nachteil der Sache: Fällt der Ölpreis, geht es ebenso schnell nach unten. Der Puffer zum Totalverlust beträgt rund 30 Dollar. Würde Öl also so billig wie vor dem Angriff auf Iran und rutschte auf Preise um 65 Dollar, würde dieses Knock-out-Papier wertlos verfallen.

Geradezu billig: Tankstellenpreise in Berlin am DonnerstagEPA

Die meisten Anleger im Bereich der Hebelpapiere haben aber nicht so einen „langen“ Zeithorizont. Sie handeln tagesaktuell und halten Papiere oft nur wenige Minuten. Unter der Kennnummer PK80LW waren am Montag sogar Kursgewinne von mehr als 80 Prozent möglich. Der Hebel beträgt hier sogar zehn.

Seit Beginn der Angriffe auf Iran hat sich der Handel in solchen Ölprodukten vervielfacht, heißt es auf Nachfrage bei Banken. War im vergangenen Jahr noch Gold der Anleger liebstes Spekulationsobjekt, löste dieses im Januar plötzlich Silber ab, und nun ist es Öl.

Märkte gehen von deutlich billigerem Öl an Weihnachten aus

Eine Besonderheit des Ölmarktes ist es, dass es nicht den einen Ölpreis gibt, sondern viele unterschiedliche Kontrakte mit variierenden Lieferfristen. Die beiden genannten Produkte sehen eine Lieferung bis Juni vor. Dafür kostet das Barrel Öl (159 Liter) der Nordseesorte Brent rund 96 Dollar. Für die Kontrakte mit Liefertermin im Dezember sind es nur 78 Dollar. Backwardation nennen Fachleute diese Preiskonstellation, die für eine aktuelle Knappheit und eine erwartete Entspannung spricht.

Da Privatanleger Rohöl nicht wirklich physisch geliefert haben wollen, muss der Kontrakt rechtzeitig gewechselt werden. Banken nennen das „Rollen“ auf den nächstliquiden Kontrakt. Da in der Backwardation-Situation wie derzeit die nächstfälligen Kontrakte immer günstiger sind als die aktuellen, fallen beim Rollen Verluste an.

Wer längerfristig in Öl investiert sein will, sollte dies beachten. Es gibt rolloptimierte Varianten wie zum Beispiel das Papier unter der Kennnummer PB6R1W. Damit sind indes keine Gewinne von 80 Prozent am Tag möglich, aber eben auch Verluste in solchen Höhen.

Bafin lässt vor möglichen Verlusten warnen

Am Ölmarkt sind eindeutig jene Anleger in der Überzahl, die Öl als Spekulations- und nicht als Investitionsobjekt sehen. Angesichts der hohen möglichen Verluste ist zuletzt auch die Finanzaufsicht Bafin aktiv geworden. Zwar erfreuen sich immer wieder Anleger spektakulärer Kursgewinne mit Hebelpapieren. So hieß es nach dem kräftigen Preisrückgang für Öl am Freitag, als es zwischenzeitlich den Anschein hatte, US-Präsident Trump und Iran könnten konstruktiv gemeinsam daraufhin wirken, die wichtige Seeroute in der Meerenge von Hormus für die Schifffahrt frei zu halten, dass die Gegenbewegung am Montag fast zwangsläufig gewesen sei.

So einfach ist es an den Märkten jedoch nicht. In der Mehrzahl der hochspekulativen Transaktionen, so die Erhebung der Bafin, komme es zu Verlusten für Privatanleger. Die Bafin verpflichtet die Marktteilnehmer deshalb künftig darauf, vor der Gefahr von hohen Spekulationsverlusten zu warnen. Bevor Anleger solche Papiere handeln können, müssen sie einige Fragen korrekt beantworten – können es aber mehrmals versuchen.

Heikler Transport: Frachtschiffe in der Nähe von OmanReuters

Wie real solche Verluste aussehen, ließ sich auch am Montag in der Statistik der Börse Stuttgart ablesen. Die Öl-Bullen waren zwar große Gewinner. In Papieren auf einen steigenden Silberpreis fanden sich unter den meistgehandelten Papieren aber auch solche mit einem Tagesminus von 38 Prozent. Auch auf einen steigenden Dax spekulierten einige Anleger und verloren dabei mehr als 20 Prozent. Ether-Optimisten erging es ähnlich.

Die extrem starken Schwankungen im Ölmarkt haben derweil dazu geführt, dass einige Banken die maximal möglichen Hebel reduziert haben. Zwar sind Öl-Kontrakte weiterhin fast durchgängig liquide handelbar. Die extremen Ausschläge und relevante Nachrichten auch an Wochenenden machen den Handel jedoch auch für Banken anspruchsvoll und riskant. Entsprechend ist auch die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskursen, der Spread, in einigen Fällen gestiegen. Die Bank stellt im selben Moment dem Käufer zum Beispiel fünf Euro für ein Wertpapier in Rechnung, zahlt dem Verkäufer aber nur 4,90 Euro. In normalen Zeiten liegt dieser Spread im Ölmarkt bei einem Cent – in wilden Zeiten wie aktuell lassen sich die Banken ihr höheres Risiko aber auch bezahlen, und der Spread steigt zulasten der Anleger.

Source: faz.net