Nach monatelanger Fahndung ist Neonazi Marla-Svenja Liebich in Tschechien gefasst worden. Tschechische Polizisten haben Liebich auf der Grundlage eines
europäischen Haftbefehls festgenommen, sagte ein Sprecher der
Staatsanwaltschaft Halle. Zuvor hatte die Mitteldeutsche Zeitung berichtet.
Nach Angaben des Sprechers erfolgte die Festnahme in Schönbach bei Asch, einer tschechischen Stadt nahe der Grenze zu Deutschland. Liebich habe
kurzzeitig versucht, sich dem Zugriff zu entziehen und sei jetzt in Gewahrsam, es solle ein Auslieferungsverfahren geben.
Liebich hatte im August 2025 eine Haftstrafe im Frauengefängnis Chemnitz nicht angetreten, zu der Liebich wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung verurteilt worden war. Daraufhin erließen Polizei und Staatsanwaltschaft einen Vollstreckungsbefehl. Auf der Plattform X hatte Liebich behauptet, sich ins Ausland abgesetzt zu haben.
Kontroverse um Geschlechtsidentität Liebichs
Über die Geschlechtsidentität von Liebich gibt es Kontroversen. Liebich, früher als Sven Liebich bekannt, hatte 2024 den Geschlechtseintrag offiziell von männlich auf weiblich geändert und sich den Namen Marla-Svenja gegeben. Kritiker sehen darin den Versuch eines Neonazis, das Selbstbestimmungsgesetz zu missbrauchen. Mit dem im November 2024 in Kraft getretenen Gesetz, das das frühere
Transsexuellengesetz ablöste, wurden Änderungen des Geschlechtseintrags
und des Vornamens deutlich erleichtert.
Laut Berichten des MDR und des Legal Tribune Onlinehat der sachsen-anhaltische Landkreis Saalekreis einen Antrag beim Amtsgericht Halle gestellt, dass Liebichs Geschlechtseintrag wieder auf männlich geändert werden soll. Der Landkreis gehe von einem Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes aus.
Die Frage nach dem Erscheinungsbild Liebichs bei der Festnahme ließ der Sprecher der Staatsanwaltschaft offen. Die Mitteldeutsche Zeitungberichtet, Liebich habe Männerkleidung getragen, ihr Kopf sei kahl rasiert.