In Thüringen haben im vergangenen Jahr bundesweit die meisten offen angekündigten rechtsextremen Musikveranstaltungen stattgefunden. Von den deutschlandweit 193 angekündigten Veranstaltungen mit Musikbeiträgen wurden mehr als 80 in Thüringen durchgeführt, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Mandy Eißing (Linkspartei) hervorgeht. Schwerpunkt war ein Ort in Südthüringen. Auch im Nachbarbundesland Sachsen fanden etliche Konzerte statt.
Insgesamt erfasste die Polizei demnach bundesweit 345 Konzerte, Liederabende oder ähnliche Veranstaltungen mit rechtsextremer Musik. In dieser Zahl sind auch „sonstige Veranstaltungen mit Musikdarbietungen“, also etwa im Rahmen von Demonstrationen, enthalten.
Eißing forderte ein konsequenteres Vorgehen gegen die rechtsextreme Musikszene – vor allem auf Landesebene. „Es braucht bessere Informationsstrukturen, ein entschlossenes Einschreiten der Sicherheitsbehörden und strenge Auflagen für Veranstalter“, teilte sie mit. Bei solchen Veranstaltungen handele es sich nicht um harmlose Partys. „Sie sind Geldquellen, Rekrutierungsevents und ideologische Plattformen für die extreme Rechte.“
Rechtsextremer AfD-Landesverband
Der Verfassungsschutz sieht den Rechtsextremismus in Thüringen als stärkste extremistische Kraft. Von der Bewegung geht laut Landesverfassungsschutz eine „signifikante Gewaltneigung“ aus. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Rechtsextremen der Behörde zufolge kontinuierlich an. Im Verfassungsschutzbericht 2024 war von etwa 3.300 Angehörigen der rechtsextremen Szene in dem Bundesland die Rede.
Als gesichert rechtsextrem stuft der Verfassungsschutz auch den thüringischen AfD-Landesverband unter Björn Höcke ein. Höcke wurde wiederholt wegen des Verwendens einer Naziparole verurteilt. Wie Anfang Februar bekannt wurde, laufen im Zusammenhang mit der Parole erneut Ermittlungen gegen den AfD-Landeschef. Bei der Landtagswahl 2024 war er als Spitzenkandidat seiner Partei angetreten.