Realzins von sechs Prozent: Türkische Notenbank senkt den Leitzins hinaus 37 Prozent

Die türkische Zentralbank hat den Leitzins gesenkt, aber nicht so stark, wie an den Märkten erwartet wurde. Mit einer Reduzierung des Satzes für einwöchige Ausleihungen auf 37 Prozent senkte sie den Leitzins um einen und nicht, wie von Analysten erwartet und der türkischen Exportwirtschaft erhofft, um 1,5 Prozentpunkte. Der geldpolitische Ausschuss der Bank begründete das mit Inflationsrisiken. Die Inflation, die das Land seit fünf Jahren im Griff hat, lag zuletzt bei 30,9 Prozent. Die Notenbank will sie bis zum Jahresende auf 13 bis 19 Prozent senken.

Frühindikatoren deuteten darauf hin, dass sich die Inflation im Januar mit dem Anstieg der Lebensmittelpreise gefestigt habe, erklärte die Notenbank. Der Desinflationsprozess sei zum Jahresende nur noch „moderat“ verlaufen. Inflationserwartungen und Preisverhalten stellten „weiterhin Risiken für den Desinflationsprozess dar“. Sie bekräftigte das Ziel, die Rate der Geldentwertung mittelfristig auf fünf Prozent drücken zu wollen.

Goldpreis treibt Währungsreserven in die Höhe

Zuvor hatte der frühere Chefvolkswirt der Notenbank, Hakan Kara, die Bank davor gewarnt, den Leitzins um 150 Basispunkte zu senken, falls sie es mit dem Inflationsziel von 16 Prozent zum Jahresende ernst meine. „Aber wenn sie eine Inflation von 23 bis 25 Prozent für ausreichend hält, kann sie diese weiter senken“, schrieb er.

Die Mutmaßungen über eine größere Zinssenkung waren auch durch den starken Anstieg der Bruttowährungsreserven der Türkei genährt worden, die in dieser Woche die Marke von 200 Milliarden Dollar durchbrochen haben sollen. Allerdings sei der Anstieg, wie Commerzbank-Analyst Tatha Ghose anmerkt, ausschließlich auf den Anstieg des Goldpreises zurückzuführen, wodurch sich der Nichtdevisenanteil der Reserven erhöht.

Leisungsbilaz ist tiefrot

Auffällig ist das wieder hohe Leistungsbilanzdefizit, das im November nach dem Abflauen der Tourismussaison mit vier Milliarden Dollar um 44 Prozent über dem Vorjahresmonat lag. Für das Gesamtjahr deutet sich abermals eine tiefrote Bilanz an. Grund dafür sind die hohen Importe der Türkei, die mit Devisen finanziert werden müssen. Das werfe „Fragen zur Wirksamkeit der Geldpolitik bei der Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichtes auf“, schrieb Ghose. Hoch bleibt der Abwertungsdruck auf die Lira. Mussten vor einem Jahr 37 Lira für einen Euro bezahlt werden, so sind es aktuell 50,8 Lira.

Während das Wachstum 2025 in der Türkei mit erwarteten 3,4 Prozent trotz eines Realzinses von sieben Prozent weniger stark gedämpft wurde als erwartet, beklagen Hersteller von Autos und Gebrauchsgütern die straffe Geldpolitik. Dennoch betonte Vizepräsident Cevdet Yılmaz, es gebe keine Entspannung der Fiskalpolitik. Zu Jahresbeginn hatte die Regierung den Mindestlohn trotz der Inflation nur um 27 Prozent auf brutto 665 Euro angehoben sowie Verbrauchssteuern erhöht. Beides wird zu Jahresbeginn die Preise heben.

Source: faz.net