Radikalisierung nimmt zu: Studie: Jeder Dritte unter 40 ungeschützt zu Händen Rechtsextremismus

Radikalisierung nimmt zuStudie: Jeder Dritte unter 40 offen für Rechtsextremismus

04.03.2026, 14:22 Uhr

Artikel anhören(04:27 min)

Bei den latent rechtsextremen Einstellungen gab es laut Untersuchung vor allem in den jüngeren Altersgruppen starke Zuwächse. (Foto: picture alliance / Ipon)

Laut Bundeskriminalamt sind immer mehr Menschen für rechtsextreme Ideen empfänglich. Auch die politisch motivierte Kriminalität nimmt demnach deutlich zu. Doch es gebe auch einen wichtigen positiven Befund.

Immer mehr Menschen in Deutschland sind rechtsextremen Ideologien gegenüber laut einer vom Bundeskriminalamt (BKA) koordinierten Untersuchung aufgeschlossen. Der Anteil derjenigen, die für solche Ideen offen sind, stieg den Angaben zufolge zwischen 2021 und 2025 von 21,8 Prozent auf 29,6 Prozent an.

Um die Einstellungen zu messen, hatten die Forscherinnen und Forscher den Teilnehmern der repräsentativen Befragung zehn verschiedene Aussagen vorgelegt, zu denen sie sich positionieren sollten. Dazu zählen Aussagen wie „Ein Staat sollte einen Führer haben, der das Land zum Wohle aller mit starker Hand regiert.“ und „Juden haben in Deutschland zu viel Einfluss.“

Der zuständige Forschungsverbund „Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung“ wird gefördert von den Bundesministerien für Forschung, Inneres und Bildung. Er erforscht das Radikalisierungsgeschehen in Deutschland, seine Hintergründe und Entwicklungen.

Bildungsniveau ist entscheidend

Generell zeigen die Ergebnisse: Manifest rechtsextreme Einstellungen finden sich deutlich häufiger bei Menschen mit niedrigem Bildungsniveau. Bei Befragten, die maximal einen Hauptschulabschluss erreicht haben, lag der Anteil derjenigen, die solche Ansichten vertreten, 2025 bei 11,1 Prozent. Unter Menschen mit Abitur waren es 1,4 Prozent.

Bei den latent rechtsextremen Einstellungen waren zuletzt laut Studie vor allem in den jüngeren Altersgruppen starke Zuwächse zu beobachten. 2025 fand sich demnach bei 27,3 Prozent der unter 40-Jährigen eine Offenheit für rechtsextremes Gedankengut. Zusammen mit 5,7 Prozent manifest rechtsextrem eingestellten Menschen sei damit rund ein Drittel der jüngeren Generation mindestens offen für autoritäres, rechtsextremes Gedankengut.

Rechtsextreme Organisationen schließen sich immer wieder zu Demonstrationen zusammen – wie hier unter dem Motto „Betrüger und kriminelle Ausländer raus“. (Foto: picture alliance / Ipon)

Deutliche Zunahmen gab es auch bei Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit. Mitte 2025 waren demnach 7,2 Prozent der Befragten manifest antisemitisch sowie 28,3 Prozent manifest muslimfeindlich eingestellt.

Politisch motivierte Kriminalität nimmt deutlich zu

Die zunehmende gesellschaftliche Radikalisierung geht laut Studie mit einer deutlichen Zunahme der politisch motivierten Kriminalität einher: Mit 100,7 Delikten pro 100.000 Einwohnerinnen wurde 2024 ein neuer Höchststand registriert. Der Trend setzt sich auch 2025 fort. Insbesondere stiegen seit 2020 die Zahlen an polizeilich registrierten Opfern politisch motivierter Kriminalität: von 1221 auf 2162 im Jahr 2024. Dies ist ein Plus von 77 Prozent.

Den Beispielen für eine zunehmende Radikalisierung steht den Angaben zufolge „zugleich ein wichtiger positiver Befund gegenüber“: 2025 sei mit einer Rate von 85,6 Prozent trotz aller Krisen die Mehrheit der Bevölkerung positiv zu grundlegenden Prinzipien einer liberalen, rechtsstaatlichen Demokratie eingestellt. 14,4 Prozent der Befragten seien zwar als demokratiefeindlich einzustufen. Hier sei jedoch ein leichter Rückgang gegenüber dem 2023 gemessenen bisherigen Höchststand von 16,1 Prozent zu erkennen.

Für die Studie waren über den Zeitraum von fünf Jahren bundesweit insgesamt 21.900 Menschen im Alter ab 18 Jahren befragt worden.

Quelle: ntv.de, fth/dpa/AFP

Source: n-tv.de