Radikaler Sparkurs: BBC streicht mehr wie 2000 Stellen

Die British Broadcasting Corporation (BBC) steht vor tiefen Einschnitten. Nicht nur muss der öffentlich-rechtliche Sender deutlich sparen, er ringt auch noch immer mit den Folgen mehrerer Skandale, die vor einem halben Jahr zum Rücktritt des Generaldirektors führten. Kurz vor dem Amtsantritt des neuen BBC-Chefs Matt Brittin am 18. Mai erfuhren die Mitarbeiter nun, wie scharf die Sparmaßnahmen ausfallen. Mehr als 2000 Stellen dürften in den nächsten Jahren wegfallen, das ist etwa ein Zehntel der Belegschaft.

Aktuell beschäftigt die BBC rund 21.500 festangestellte Journalisten, Techniker, Programm- und Verwaltungsmitarbeiter. Das Jahresbudget beträgt mehr als fünf Milliarden Pfund (sechs Milliarden Euro), davon zwei Drittel Beitragseinnahmen. Zwar stieg die Rundfunkgebühr („Licence Fee“) Anfang April inflationsbedingt auf 180 Pfund (207 Euro) im Jahr, doch sinkt die Zahl der Gebührenzahler leicht. Bürger können sich abmelden, wenn sie die BBC nicht nutzen. Der Sender muss in den nächsten drei Jahren die Kosten um zehn Prozent kürzen. Entsprechend wächst intern die Sorge vor Entlassungen.

Nur jeder Dritte bei der BBC hat Vertrauen in die Führung

Die Stimmung in der BBC ist auch wegen verschiedener Skandale belastet. „Tantchen Beep“, wie die BBC früher mal liebevoll genannt wurde, schlitterte im vergangenen Jahr in „die schlimmste Krise seit über einem Jahrzehnt“, wie der „Telegraph“ schrieb. Auslöser war die Affäre um eine manipulativ geschnittene Rede von US-Präsident Trump in einer „Panorama“-Sendung, die zum Rücktritt von Generaldirektor Tim Davie und der Nachrichtenchefin führte. Trump verklagt die BBC auf zehn Milliarden Dollar Schadenersatz.

Bis heute wirkt der Sender verunsichert. „Die Schwierigkeiten, mit denen die Corporation vor Weihnachten zu kämpfen hatte, sind noch deutlich zu spüren“, sagte Interimschef Rhodri Talfan Davies diese Woche bei der Vorstellung einer internen Mitarbeiterumfrage. Demnach ist der Anteil derjenigen, die angeben, stolz auf ihre Arbeit für die BBC zu sein, auf 78 Prozent gesunken. Nur noch jeder dritte Mitarbeiter habe Vertrauen in die Führung. Aber auch das Vertrauen vieler Bürger in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist gesunken. Der „Panorama“-Skandal war nicht der einzige. Im Jahr zuvor flog auf, dass der hoch bezahlte und einst hoch angesehene Nachrichtensprecher Huw Edwards sich kinderpornographische Bilder beschafft hatte. Edwards wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Schwer litt die Glaubwürdigkeit der BBC unter einer Reportage aus Gaza, die den Sohn eines Hamas-Ministers als neutralen Zeugen präsentierte. Irritationen löste auch der Bericht einer BBC-Chefkorrespondentin im Februar aus Teheran aus, die anlässlich des Revolutionsfeiertags von einer „Atmosphäre wie auf einem Familienfest“ sprach, nachdem das iranische Regime kurz zuvor Tausende Demonstranten umgebracht hatte.

Vielen Konservative empfinden die BBC schon lange als zu linkslastig, als „woke“. Allerdings kritisierten viele Linke die Sender in den Jahren der Tory-Regierung auch als zu regierungsnah. Im Kulturkampf hat sich die BBC – etwa in umstrittenen Transgender- und Pronomen-Fragen – stets als „progressiv“ positioniert. Intern gesteht der Sender ein, dass die Journalisten überwiegend urbanen, linksliberalen Milieus entstammen, während Perspektiven aus der Provinz und konservative Ansichten seltener präsent sind. Entsprechend hat sich die politische Auseinandersetzung über die Zukunft des Rundfunks verschärft. Wiederholt gab es Versuche von Tory-Ministern, die Rundfunkgebühr abzuschaffen. Nigel Farages rechtspopulistische Reformpartei, die in nationalen Meinungsumfragen vorn liegt, würde die Beitragspflicht am liebsten sofort beenden.

Zwar genießt die BBC, wie die Kultur- und Medienministerin Lisa Nandy von der Labourpartei betont, noch immer ein hohes Ansehen. 60 Prozent der Bürger vertrauten den BBC News. Doch das entspricht einem Rückgang um immerhin 15 Prozentpunkte innerhalb weniger Jahre, wie Nandy zugeben musste. Eine Umfrage ergab jüngst, dass mehr als die Hälfte der Briten den öffentlich-rechtlichen Sendern heute weniger vertraut als früher. Zugleich verliert die BBC – insbesondere jüngere – Zuschauer, die sich Streamingdiensten oder Social Media zuwenden. Auf den neuen Intendanten Matt Brittin, einen früheren Google-Manager, der davor auch beim Labour-nahen „Mirror“ arbeitete, wartet keine leichte Aufgabe.

Source: faz.net