Der alte König spaltet Spanien. Kaum hatte am Mittwoch die Regierung die letzten Geheimdokumente über den Putschversuch am 23. Februar 1981 freigegeben, forderte die Opposition die Rückkehr von Juan Carlos I. Nach Ansicht der konservativen PP und anderer rechter Politiker ist der 88 Jahre alte Monarch, der seit 2020 in Abu Dhabi lebt, endgültig rehabilitiert und hat sich als Verteidiger der Demokratie seine Heimkehr verdient.
In den Unterlagen, die bisher unter Verschluss waren, fanden sich weitere Belege für die entscheidende Rolle, die Juan Carlos dabei spielte, den Militärputsch zu beenden, der die junge Demokratie 1981 existenziell gefährdet hatte. „Sie werden anerkennen, was ich getan habe. Am Ende werde ich gewinnen“, ließ der Monarch am Wochenende siegesgewiss die Zeitung „El Mundo“ wissen. Doch sein Sohn Felipe VI. und die Linksregierung in Madrid sind weiterhin nicht dazu bereit, einer bedingungslosen Rückkehr nach Spanien zuzustimmen.
König sollte als Demokrat diskreditiert werden
In den Archiven finden sich interessante Einzelheiten über die Interventionen des Königs am 23. Februar 1981, von denen man aber schon zuvor viel wusste. Der Schriftsteller Javier Cercas nennt die neuen Offenbarungen am Sonntag in der Zeitung „El País“ ein „leeres Geheimnis“. Davon profitiere jetzt besonders Juan Carlos, sagt Cercas, der das erste größere Buch über den Putsch geschrieben und sich für die Öffnung der Archive eingesetzt hatte.
Vor allem auf der spanischen Linken wurde der König verdächtigt, er habe Sympathien für die Putschisten gehabt und deshalb zögerlich und nur spät eingegriffen. Nun zeigen mehr als 160 freigegebene Dokumente auf knapp tausend Seiten, dass es Militärs und rechte Politiker aus dem Umfeld der Putschisten waren, die als Erste versucht hatten, den Monarchen durch solche Gerüchte als Demokraten zu diskreditieren.
Dahinter steckte offenbar der Plan, seinem Ansehen so sehr zu schaden, dass 1982 ein Putsch (Operation Mars) gelingt. Schon 1980 waren laut einem Papier, das dem Geheimdienst zugeschrieben wird, insgesamt drei Pläne für Umstürze bekannt, die damals Zivilisten, Militärs oder beide gemeinsam vorbereiteten.
Eine Mitteilung um 1.20 Uhr morgens
In den Unterlagen fand sich eine handschriftliche Notiz eines unbekannten Offiziers über den König. Darin ist von dem großen Fehler die Rede, „den Bourbonen freizulassen und so zu tun, als sei er ein Ehrenmann“: Juan Carlos sei nicht einmal ein „respektables Symbol, er ist ein Hindernis für die Einheit Spaniens“. Es gelte, ihn künftig zu bekämpfen und „auszuschalten“, schreibt der Offizier.
Juan Carlos hatte sich offenbar, schon gut eine Stunde nachdem das Parlament gestürmt worden war, dazu entschlossen, eine Fernsehansprache zu halten. Doch eine Einheit der Putschisten hatte den Sender nicht nur besetzt. Wie sich jetzt zeigte, hatten die Soldaten sogar einen ausdrücklichen Schießbefehl. Erst nach ihrem Rückzug konnte die Ansprache an die Nation ausgestrahlt werden – kurz nach ein Uhr morgens.
In der Zwischenzeit ließ der König in seinen direkten Kontakten zu führenden Militärs keine Zweifel aufkommen, dass er auf der Seite der Verfassung stand. Laut einem Geheimdienstdokument teilte der König um 1.20 Uhr morgens dem General Jaime Milans del Bosch, mit, dass er weder abdanken noch Spanien verlassen werde. Die Putschisten könnten sich nicht auf den König berufen: Wer sich gegen die verfassungsgemäße Ordnung erhebe, riskiere einen neuen Bürgerkrieg. Der Mitverschwörer Milans del Bosch hatte in Valencia schon die Panzer auffahren lassen.
Sohn will Abstand zum Vater beibehalten
Zuvor hatte der König den General Alfonso Armada isoliert. Sein einstiger militärischer Ausbilder hatte sich vor dem Umsturzversuch als Chef einer möglichen Einheitsregierung ins Spiel gebracht. Aufforderungen, die Verfassung zu verteidigen, waren im Lauf des Abends schon an mehrere Mitglieder der Militärführung ergangen.
Die Bedeutung seines Vaters bei der Verteidigung der Demokratie hat auch sein Sohn Felipe nie in Zweifel gezogen. Trotzdem wies das Königshaus nun in ungewöhnlich deutlicher Form die Forderungen nach der Rückkehr des emeritierten Monarchen zurück. Denn auch nach seiner Abdankung hat Juan Carlos die spanische Monarchie mit seinen Affären in schwere Krisen gestürzt. Felipe will deshalb den Sicherheitsabstand zu seinem Vater beibehalten.
Er beharrt darauf, dass Juan Carlos in Spanien nicht mehr wieder im Zarzuela-Palast einzieht, dem offiziellen Sitz des Staatsoberhaupts. Obwohl sich sein Vater in einem Brief dazu verpflichtet hat, wünscht er sich angeblich jetzt, wieder in seiner alten Residenz zu leben. Königshaus und Regierung verlangen zudem, dass er bei einer Heimkehr seinen steuerlichen Wohnsitz nach Spanien verlegt – um Spekulationen und Kritik zu verhindern. Er müsste dann offenlegen, woher seine Einkünfte stammen, mit denen er seinen luxuriösen Lebensstil finanziert. Doch zu so viel Transparenz ist Juan Carlos nicht bereit.
Source: faz.net