Das Gespräch mit den Gesandten Trumps ist offenbar nicht ganz so verlaufen, wie Putin sich das vorgestellt hatte. Das ist, auch wenn man den Ukrainern ein möglichst baldiges Ende der russischen Terrorangriffe wünscht, nicht das schlechteste Ergebnis der Verhandlungen in Moskau. Dieser Ausgang bedeutet nämlich, dass Witkoff nicht abermals nur den Stenoblock gezückt und brav notiert hat, wie die Amerikaner Putin die Ukraine servieren sollen.
Welche Schlüsse Trump daraus zieht, dass Putin von seinen unannehmbaren Forderungen nicht abrückt, obwohl sogar der Schwiegersohn seine Aufwartung machte, ist so schwer vorherzusagen wie die Lottozahlen. Ginge es Trump wirklich um einen baldigen, aber auch langfristigen Frieden, dann müsste er jetzt den Druck auf Moskau erhöhen, indem er die Sanktionen gegen das russische Öl- und Gasgeschäft verschärft und der Ukraine die weitreichenden Waffen liefert, die er ihr aus Verärgerung über Putins Hinhaltetaktik schon einmal in Aussicht gestellt hatte.
Trump könnte den Hebel wieder bei den Schwächeren ansetzen
Doch die Ukrainer wie die sie unterstützenden Europäer müssen auch damit rechnen, dass Trump – so er nicht die Lust verliert und lieber Schiffeversenken in der Karibik spielt – den Hebel abermals bei den Schwächeren ansetzt, also in Kiew. In jedem Fall muss die Koalition der Willigen die Unterstützung für die an der Front ins Hintertreffen geratende Ukraine steigern. Das ist nicht möglich ohne die Nutzbarmachung des in der EU eingefrorenen Guthabens der russischen Zentralbank.
Bundeskanzler Merz hat recht: Es geht dabei um viel mehr als nur um eine Finanzierungsfrage. Die Mobilisierung dieser Milliarden ist ein unmissverständliches Signal an Putin: dass die Europäer ihm entschlossen und geschlossen entgegentreten bei der Verteidigung ihrer Freiheit. Wer sie nicht schon in der Ukraine verteidigt, sondern lieber über Haftungsrisiken streitet, läuft Gefahr, in absehbarer Zeit auf eigenem Boden kämpfen zu müssen. Putin drohte nun ganz offen damit, nicht nur einen hybriden Krieg gegen Europa zu führen. Und wer wollte dann auf Trump zählen?
Source: faz.net