In Norwegen ist der Prozess gegen den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit zu Ende gegangen. Marius Borg Høiby ist unter anderem wegen Vergewaltigung angeklagt. Das Urteil soll Anfang Juni verkündet werden.
Das internationale Medieninteresse ist auch am letzten Tag des Prozesses gegen den ältesten Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit groß. Für seinen Mandanten sei es eine Belastung gewesen, unter diesen Umständen im Gericht über intimste Details auszusagen, sagt Marius Borg Høibys Anwalt Petar Sekulic in seinem Plädoyer.
„Es gab zehntausende Artikel. Die Presse verfolgt ihn überall hin, bis in die Anwaltskanzlei, und es wurden nach illegalen Leaks sogar Beweismittel veröffentlicht.“ Auch seine familiäre Situation stelle eine zusätzliche Belastung dar, so der Anwalt. „Nicht nur, weil er dadurch stärker in den Fokus rückt, sondern auch, weil er so sehr an seiner Familie hängt und es ihn belastet, was diese im Zusammenhang mit dem Fall erleiden musste.“
Anklage wegen Vergewaltigung und Drogendelikten
Der Sohn der norwegischen Kronprinzessin ist unter anderem wegen Vergewaltigung, Gewalt gegen mehrere Ex-Freundinnen und Drogendelikten angeklagt. Fast sieben Wochen lang wurde in Oslo verhandelt, alle mutmaßlichen Opfer und zahlreiche weitere Zeugen gehört.
In dem Prozess sei der Eindruck eines Mannes entstanden, der das Gefühl habe, dass Regeln für ihn nicht gelten – und der insbesondere unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen völlig die Kontrolle verliere, so Staatsanwalt Sturla Henriksbø in seinem Plädoyer am Montag.
„Marius Borg Høiby ist kein Monster. Das ist keiner von uns. Wir sind alle Menschen, mit guten und schlechten Seiten. Er darf nicht dafür verurteilt werden, wer er ist, sondern dafür, was er getan hat“, sagte Henriksbø.
Urteilsverkündung erst in einigen Wochen
Die Staatsanwaltschaft fordert für Marius Borg Høiby insgesamt sieben Jahre und sieben Monate Haft. Die Verteidigung plädiert im Fall der Vergewaltigungsvorwürfe für einen Freispruch.
Es gebe keine ausreichenden Beweise, so Høibys Anwälte. Die Videos, die der 29-Jährige selbst während der mutmaßlichen Taten gemacht haben soll, reichen aus ihrer Sicht nicht aus – denn es sei nicht eindeutig bewiesen, dass die betroffenen Frauen während der sexuellen Handlungen geschlafen hätten.
Einige weniger gravierende Anklagepunkte hatte Marius Borg Høiby gestanden. Dafür halte die Verteidigung rund eineinhalb Jahre Haft für angemessen, so die Anwälte.
Nun entscheidet das Gericht. Das Urteil soll wie in Norwegen üblich in ein paar Wochen verkündet werden.
Expertin: Schwierige Zeit für die Königsfamilie
Die norwegische Königshausexpertin Kristi Marie Skrede beobachtet den Prozess. Sie kann generell keine Sonderbehandlung für den Sohn der Kronprinzessin erkennen. „Er wurde wie jeder Angeklagter in Norwegen behandelt. Ihm wurden schwierige Fragen gestellt. Vor Gericht ging es um private Details zu seinem Sexualleben und seiner Gesundheit. Und er wurde auch nicht aus der Untersuchungshaft entlassen, obwohl er darum gebeten hat“, so Skrede.
Marius Borg Høiby stammt aus einer früheren Beziehung der norwegischen Kronprinzessin und ist nicht Teil der Thronfolge. Für die Königsfamilie sei es trotzdem eine schwierige Zeit, so die Expertin.
Drei Krisen: Prozess, Krankheit und Epstein-Skandal
Auch sei bekannt, dass sich Mette-Marits Zustand aufgrund einer Lungenerkrankung verschlechtert habe. „Die Königsfamilie befindet sich also in einer sehr schwierigen Lage mit drei Krisen gleichzeitig. Der Prozess und die Krankheit sind die größte Belastung für die Familie. Und dann ist da noch der Epstein-Skandal, auf den die Öffentlichkeit nun Antworten verlangt“, sagt Skrede.
Kurz vor Prozessbeginn war bekannt geworden, dass die Kronprinzessin engen E-Mail-Kontakt zu dem verstorbenen US-Sexualstraftäter hatte. Der Prozess gegen ihren Sohn ist vorbei – die Krise der norwegischen Monarchie ist es nicht.
Source: tagesschau.de